Krisensitzung : Hertha vereint in Sorge

Herthas Präsidium stärkt Manager Michael Preetz bei einer Krisensitzung den Rücken – und damit auch Trainer Friedhelm Funkel.

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Friedhelm Funkel.Foto: dpa

Es war wahrlich keine besonders angenehme Woche für Friedhelm Funkel. Erst die Heimniederlage gegen Hoffenheim, dazu die Funkel-raus-Rufe im Olympiastadion, und dann musste der Trainer von Hertha BSC auch noch in der Zeitung lesen, dass Teile des Präsidiums öffentlich seine Weiterbeschäftigung infrage stellen. Wie es ihm bei all dem geht? „Mir geht’s sehr gut“, sagt Friedhelm Funkel. „Das belastet mich in keinster Weise.“ Als Herthas Spieler gestern zur vorletzten Trainingseinheit vor dem Auswärtsspiel beim Hamburger SV auf dem Vereinsgelände eintrudelten, versammelte sich zur selben Zeit das Präsidium auf der Geschäftsstelle zu seiner außerordentlichen Sitzung. Offiziell stand die Trainerfrage gar nicht auf der Tagesordnung, durch die Diskussionen der vergangenen Tage war ihre Behandlung jedoch unumgänglich geworden. Etwas mehr als eine Stunde tagte das Präsidium, dann trat Präsident Werner Gegenbauer vor die Presse. „Das Ergebnis ist einstimmig und unmissverständlich“, sagte er. „Das Präsidium unterstützt zu hundert Prozent den Kurs von Michael Preetz.“

Das ist eine eher verschlungene Art, um dem in die Kritik geratenen Trainer das Vertrauen auszusprechen. Gegenbauer erwähnte den Namen des Trainers in seinem kurzen Statement kein einziges Mal. Funkel darf deshalb bleiben, weil Manager Preetz das so will. Nimmt man die Aussage des Präsidenten wörtlich, heißt das aber auch: Sollte Michael Preetz seinen Kurs irgendwann ändern und einen weiteren Trainerwechsel für nötig erachten, wird das Präsidium auch diese Entscheidung mittragen.

Bisher deutet nichts auf eine derartige Entwicklung hin. Bisher steht Preetz zu Funkel. „Meine Position ist klar und unverrückbar“, hatte Preetz schon vor der Präsidiumssitzung gesagt, in der er zur Trainerfrage Bericht erstatten sollte. Überhaupt war Herthas Manager sichtlich bemüht, die Brisanz aus der ganzen Sache zu nehmen – auch im eigenen Interesse. Die Diskussion um den Trainer hatte auch seine eigene Rolle in den Fokus gerückt. Zumindest ungewollt war der Eindruck entstanden, dass sich das Präsidium über den Kopf des Managers hinweg in die sportlichen Belange mischt.

Gerade deshalb empfand ein Präsidiumsmitglied die Indiskretion aus dem eigenen Haus als „nicht ganz so witzig“. Die Diskussion habe eine Dynamik angenommen, die einfach ungesund sei. Präsident Gegenbauer sprach davon, dass sich innerhalb des Präsidiums bei dem einen oder anderen ein bisschen was aufgestaut habe: „Ich hoffe, das ist ausgestanden.“ Anfangs hatte es sogar den Wunsch gegeben, den Trainer selbst zur Sitzung vorzuladen. Von dieser Idee hat man aber Abstand genommen. Man muss sich nur vorstellen, welches Bild sonst entstanden wäre: Funkel muss sich vor einem Tribunal verantworten.

Es ist ja nicht so, dass Hertha als Tabellenletzter der Fußball-Bundesliga nicht genug Sorgen hätte. Mit der Niederlage gegen Hoffenheim ist die Stimmung wieder ungebremst ins Negative gekippt. Am Samstag in Hamburg geht es für Funkel und die Mannschaft darum, die Wende nach der Wende zu schaffen. Die Situation ist und bleibt schwierig. Aber auch schwierige Situationen können ihren eigenen Reiz entfalten. Michael Preetz hatte gestern jegliche Lethargie abgestreift und eine Menge Pathos in seine Stimme gepackt. Laut und entschlossen wollte er wirken, nachdem es auch an seiner eher leisen Art zuletzt Kritik gegeben hatte. „Ich verlange mehr Kampf und mehr Leidenschaft“, sagte Preetz. „Ich verlange aber auch, dass wir ruhig bleiben und die Nerven behalten.“ Ein paar Herren aus dem eigenen Verein durften sich durchaus angesprochen fühlen.

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