Krisenstimmung zu Saisonbeginn : Die Formel 1 rast Richtung Abgrund

Nur 15 Autos starteten zum Saisonauftakt: Die strukturellen Probleme in der Formel 1 werden immer offensichtlicher. Ein Kommentar.

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Wer sein Auto liebt, der... darf nicht fahren. Valtteri Botas.
Wer sein Auto liebt, der... darf nicht fahren. Valtteri Botas.Foto: AFP

Nur 15 Autos standen beim Saisonauftakt in Melbourne am Start. So wenige wie zuletzt 1958. Die Dürre im Starterfeld offenbart die strukturellen Probleme der Formel1, auch wenn ein paar außergewöhnliche Umstände dazu beitrugen: Der Williams-Pilot Valtteri Bottas erhielt wegen einer Rückenverletzung keine Starterlaubnis, zwei weitere Autos streikten bereits in der Aufwärmrunde. Es fehlten auch die beiden Manor, die in Australien keinen Meter fuhren und wohl nie auch nur halbwegs konkurrenzfähig sein werden.

Nur elf Autos sahen in Australien die Zielflagge, und weil Mercedes dem Minifeld auch 2015 von Beginn an wieder enteilt, musste das Fernsehen schon den Kampf um den vorletzten Platz ins Bild setzen, um ein wenig Spannung zu suggerieren. Doch das wird auf Dauer nicht reichen. Der Formel 1 fehlt es inzwischen schlicht an Substanz, um ein einigermaßen ausgeglichenes und attraktives Feld zu präsentieren. Und die Aussichten für die nähere Zukunft versprechen nichts Gutes. Die Finanzprobleme der kleinen Rennställe könnten das Feld bald noch weiter ausdünnen. Bei Sauber, Force India und Lotus könnte jedes größere Problem, etwa mit einem Sponsor, das Aus bedeuten. Auch anderswo läuft das System Formel 1 unrund. Die Wahrscheinlichkeit für ein Rennen in Deutschland – immerhin ein Kernmarkt und Autoland – sinkt immer weiter.

Hintergrund der Krise ist, dass es in der Formel 1 keine übergeordnete Autorität mehr gibt, die die Situation erkennt und gegensteuert. Ohne eine Veränderung des Geldverteilungssystems, bei dem nur die reichen Teams immer reicher werden, kann die Rennserie mittelfristig nicht mehr funktionieren. Aber Chefvermarkter Bernie Ecclestone bleibt in dieser Frage untätig. Spekuliert er auf den großen Zusammenbruch der Formel 1, um sie dann billiger vom Rechteinhaber CVC zurückkaufen zu können? Und wo ist denn Jean Todt, der Präsident des Automobil-Weltverbands Fia? Von ihm kommt nichts mehr, seit er letztes Jahr mit dem Vorschlag einer Kostendeckelung am Widerstand der großen Teams gescheitert ist. So fahren in der Formel 1 alle erstmal weiter, als wäre nichts geschehen. Und steuern unbeirrt auf den Abgrund zu.

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