Sport : Kritik am Helden

Griechenlands sinkende WM-Chancen werden auch an Trainer Otto Rehhagel festgemacht

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Piräus Viele hatten Otto Rehhagel damals geraten aufzuhören. Europameister mit Griechenland, danach hätte sich der heute 66 Jahre alte Trainer zur Ruhe setzen können. Oder er hätte eine neue Aufgabe übernehmen können. Doch Rehhagel wollte die Griechen nicht enttäuschen. Er blieb ihr Nationaltrainer.

Elf Monate nach dem größten Triumph der Verbandsgeschichte wird Griechenland daran erinnert, dass die Qualifikation für eine Welt- oder Europameisterschaft für das kleine Land keine Selbstverständlichkeit ist. Nach der 0:1-Heimniederlage gegen die so gut wie qualifizerten Ukrainer ist Rehhagels Mannschaft auf den dritten Platz der Qualifikationsgruppe 2 abgerutscht, hinter die Ukraine und die Türkei, die ihr Spiel beim Außenseiter Kasachstan 6:0 gewann.

Als das Spiel in Piräus abgepfiffen wurde, schleuderte Rehhagel wütend eine Wasserflasche aufs Feld, später verbreitete er Optimimus. „Noch ist nichts verloren. Solange die Chance noch da ist, werden wir um den zweiten Platz kämpfen“, sagte Rehhagel. Doch auch er weiß, dass seine Mannschaft eine wichtige Chance verpasst hat und nun auf einen Patzer der Türken hoffen muss. Bei der EM in Portugal spielten die Griechen oft defensiv und erzielten mit einem Konter das entscheidende Tor. Am Mittwoch schlugen die Ukrainer die Griechen mit eben diesem Mittel. Rehhagels Mannschaft hatte 70 Prozent Spielanteile und spielte nahezu die gesamte Zeit auf ein Tor. Stelios Giannakopoulos, der den Ball aus einem Meter über das Tor drosch, hätte die Griechen erlösen müssen. Stattdessen traf Andrej Gusin kurz vor Schluss zum Tor des Tages. „Wir sind einem cleveren Gegner unterlegen“, urteilte Rehhagel.

Der Trainer, dem sie nach der EM am liebsten die griechische Staatsbürgerschaft verliehen hätten, muss sich nun Kritik gefallen lassen. Die Medien bemängeln, dass Rehhagel zu sehr auf routinierte Spieler setze. „Die Mannschaft muss frischer werden. Die Spieler gibt es“, hieß es im staatlichen Rundfunk. „Die Mannschaft braucht Erneuerung“, forderte die Zeitung „Athlitiki“. Noch bezieht sich die Forderung nach Erneuerung auf die Spieler. Sollte sich der Europameister nicht für die WM qualifizieren, wird auch der Trainer gemeint sein. Verbandspräsident Gagatsis fühlte sich schon am Tag nach dem Spiel verpflichtet, Rehhagel in Schutz zu nehmen: „Um es ein für alle Male klarzustellen: Otto kann bleiben, solange er will.“ Tsp

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