Kritik an TSG-Modell : Hoffenheims Hopp weiter sauer auf Watzke

Dietmar Hopp hat sich sehr über die Kritik von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke geärgert. Der sieht in Hopps Millionenzahlungen an Hoffenheim die "50+1"-Regel ausgehöhlt. Unterstützung erhielt der Mäzen des Herbstmeisters vom DFB und einem Fußball-Idol.

Ulrike John[dpa]
Dietmar Hopp Foto: dpa
Dietmar Hopp (r.) hat sich bei DFL-Chef Reinhard Rauball über BVB-Geschäftsführer Watzke beschwert. -Foto: dpa

HoffenheimKeine Aussprache mit Widersacher Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund, aber Rückendeckung vom Deutschen Fußball-Bund (DFB): Nachdem der Geschäftsführer des Bundesliga- Rivalen das Finanzgebaren von Dietmar Hopp als Mäzen des Tabellenführers 1899 Hoffenheim kritisiert hat, konnte auch Reinhard Rauball als Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL) die Wogen nicht glätten. Dafür hat der Milliardär nun Lob von Günter Netzer und Zuspruch vom DFB erhalten.

"Dietmar Hopp ist ganz gewiss kein Roman Abramowitsch"

"Dietmar Hopp ist ganz gewiss kein Roman Abramowitsch", sagte Generalsekretär Wolfgang Niersbach am Donnerstag in Sinsheim. "Wir sollten froh sein, dass er sein Geld nicht in Museen und Kunsthallen steckt, sondern unter anderem in den Fußball." Watzke hatte sehr zum Ärger von Hopp vom DFB und von der DFL gefordert, bei dessen Zuwendungen für Hoffenheim sehr genau zu überprüfen, "ob die 50+1-Regelung durch sein Engagement nicht doch ausgehöhlt wird".

Diese Regelung im deutschen Profifußball verhindert, dass Investoren wie der Russe Roman Abramowitsch, Eigentümer des englischen Spitzenklubs FC Chelsea, einen Klub übernehmen. Für Niersbach ist Hopp, der einst selbst in Hoffenheim kickte und dessen Elternhaus in dem 3300-Einwohner-Dorf steht, "mit größter Seriosität und Bodenhaftung" tätig: "Wir haben den allergrößten Respekt davor, was Herr Hopp hier geschaffen und der Region zurückgegeben hat."

Netzer ist großer Fan des Hoffenheimer Modells

Unterstützung und großes Lob bekam Hopp auch von Günter Netzer. "Was in Hoffenheim geschieht, hat nichts mit dem englischen Modell zu tun. Herr Hopp hat behutsam angefangen und den Verein nach oben geführt. Das ist doch ein Husarenstück", sagte der ehemalige Nationalspieler und ARD-Experte. Man könne "die Menschen, die das Modell initiiert haben, gar nicht genug dafür loben". Hopp ist es nach eigenen Angaben "egal", ob die 50+1-Vorschrift - wie es beispielsweise Hannovers Präsident Martin Kind will - gekippt wird. Allerdings ist der 68-Jährige der Meinung, dass Fußballvereine nicht - wie Borussia Dortmund - an die Börse gehören.

Die 175 Millionen Euro, die Hopp in sein Projekt Hoffenheim gesteckt habe, so sagte wiederum Watzke, seien 35 Millionen mehr als Borussia bei seinem Börsengang eingenommen habe. Der SAP-Mitgründer erklärte, dass "über 80 Prozent meiner von Herrn Watzke angesprochenen Investitionen in Jugendförderstützpunkte, Sportplätze, Trainingszentren und den Bau der Rhein-Neckar-Arena geflossen sind". Er sei immer für Transparenz gewesen, und wenn er sich nicht gegen Leute wie Watzke wehre, "dann kommt womöglich der Verdacht auf, dass etwas nicht in Ordnung sei".

Hopp will Watzke nicht anrufen

Wegen Watzke hatte Hopp diese Woche DFL-Präsident Rauball kontaktiert: "Er hat gemeint, ich solle Herrn Watzke selbst anrufen. Aber das habe ich mir nicht gegeben." Dass die Giftpfeile ausgerechnet aus Dortmund kommen, hat den Macher aus Walldorf besonders getroffen. Borussia-Fans hatten im vergangenen Jahr bei der Niederlage bei Hoffenheim ein Plakat im Stadion gezeigt, auf dem Hopps Gesicht in einem Fadenkreuz zu sehen und die Aufschrift "Hasta la vista, Hopp" zu lesen war.

An Schmähungen aus den Fankurven der Gegner ist der Milliardär mittlerweile gewöhnt, nicht aber an verbale Attacken von Kollegen aus den Führungsetagen: "In einer Solidargemeinschaft wie der DFL sollte man das nicht machen." Dass Hopp durch die Finanzkrise von seinem geschätzten Vermögen von über sechs Milliarden etwa zwei Milliarden verloren hat, wird an seinem Engagement für den Heimatklub kaum etwas ändern.

"Es handelt sich um reine Buchverluste. Verluste mit einem Augenzwinkern, sozusagen", meinte Hopp diese Woche in der "Rhein-Neckar-Zeitung". Persönlich müsse er den Gürtel nicht enger schnallen - und ein Verkauf von Stars ist schon gar kein Thema: "Wir geben keinen unserer Profis ab."

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