Sport : Kritik an WM-Wahl: Dempsey und die schmutzigen Finger

Sebastian Arlt

Wer von der Pressekonferenz des Charles J. Dempsey kam, war noch verwirrter als vorher. In Auckland hatte man sich Aufklärung darüber erhofft, warum der 78-Jährige sich am Donnerstag bei der Wahl des Ausrichters der Fußball-WM 2006 in der entscheidenden Abstimmung der Stimme enthalten hat. Klarheit? Hintergründe? Zumindest hat das Exekutiv-Mitglied des Weltfußball-Verbandes Fifa mit dem Zeigefinger auf Europa gezeigt. Der Druck, dem er schließlich erlegen sei, sei "von einflussreichen europäischen Vertretern" ausgegangen.

Das Thema ist noch lange nicht ausgestanden. Das südafrikanische Bewerbungskomitee und neuseeländische Politiker wollen per Gericht eine Wiederholung des Wahlverfahrens erzwingen, in dem Südafrika gegen Deutschland unterlegen war. Berichten englischer Zeitungen, die einen Zusammenhang zwischen dem Stimmverhalten asiatischer Exekutivmitglieder und der Vergabe milliardenschwerer Aufträge deutscher Firmen an die Industrie in Asien herstellten, wird weiter nachgegangen werden. Dass der greise Dempsey in nächster Zeit häppchenweise von seinem Wissen preisgeben wird, ist ebenfalls anzunehmen.

Die nebulöse Angelegenheit erinnert immer mehr an die Korruptions-Affäre im Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Auch in der Fifa wird geklüngelt, herrscht Vetternwirtschaft. Beim IOC hat ein Selbstreinigungsprozess zumindest begonnen. Der Fifa steht dieser noch ins Haus. Aber vorher werden noch einige mit schmutzigen Fingern dastehen.

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