Sport : Kritik des Herzens

Oliver Trust

Als die ersten Fans schon wieder mit ihren rot-weiß geschmückten Autos die A 3 hinunter durch Ruhrgebiet und Rheinland Richtung Pfalz rasten, stand Georg Koch wie ein reumütiger Selbstankläger da. Um das Fußballspiel Schalke - Kaiserslautern (3:0) ging es lange nicht mehr. Schnell war abgehandelt, dass Lautern nicht mehr Meister werden kann und nach dem 2000. Gegentor in der Ligageschichte wahrscheinlich sogar den Uefa-Cup verpassen wird. Doch was Georg Koch dann sagte, war bemerkenswert. Koch ist der Torwart des 1. FC Kaiserslautern. Das ist der Verein, der nach dem giftigen Duell gegen Bayern München überall als rüder Rüpelhaufen geschmäht worden war. Und jener Koch fand, nun sei es Zeit für Grundsätzliches über seinen Berufsstand. Vieles klinge so, "als seien wir alle vorbestraft". Aber: "Wir haben uns das doch selbst erarbeitet. Die Schwalben, die Schiedsrichterdiskussion. Wir sind selber Schuld an dem Theater. Denn wir machen das Theater, wir wiegeln das Volk auf."

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Jahrelang habe man es versäumt, dagegen einzuschreiten, kritisierte Koch. "Heute weiß doch keiner mehr, war es eine Schwalbe oder ein Foul." Denn jedes Mal renne einer zum Schiri und protestiere. Das sei unerträglich geworden und ein typisch deutsches Problem. International seien Schiedsrichter noch Autoritäten. "Nehmen wir Dortmund im Uefa-Cup. Kein Mensch hat sich getraut, an den Schiri zu gehen. Der kam ohne eine einzige Gelbe Karte aus."

Irgendjemand hat später mit dem Schalker Andreas Möller über Erziehungsfragen für Fußballprofis geredet. Und der ist nach Kochs Selbstanklage richtig erschrocken. "Wir können im Fußball keine Beamtenmentalität einführen", sagte Möller. Tricks und Kniffe müssten weiter "erlaubt" sein. "Wir sind Vorbilder, klar", meinte er, "aber bei dem Druck und bei den Summen" ziehe man eben alle Register.

Es wird also wohl nichts werden mit dem runden Tisch der Vernunft in der Bundesliga. Dafür sähe Koch wiederum Bedarf, denn "es ist doch in allen Stadien das Gleiche. Selbst in Freiburg, wo angeblich das beste Publikum der Liga ist, bekommt Oliver Kahn einen Golfball an den Kopf". Es sei nicht in Ordnung, dass einige allein an den Pranger gestellt würden. Ein Beleg für Kochs vereinsübergreifende Klage war der Auftritt von Rudi Assauer am Samstag vor dem Anpfiff in der Arena Auf Schalke. "Behandelt Gäste wie Gäste" sagte er am Mikrofon vor 60 000 Zuschauern. "Hört auf, irgendetwas aufs Spielfeld zu werfen, wir wollen unser Stadion ohne Zäune behalten." Assauer musste so sprechen, weil die Schalker Fans zuletzt Bayerns Torwart Oliver Kahn mit Bananen und Bierbechern beworfen hatten.

Im Speziellen aber findet sich der 1. FC Kaiserslautern dann doch ungerecht behandelt. Es könne nicht sein, dass "Leute, die beim DFB so viel Macht haben", die Lauterer Fans als "Tiere" beleidigen und die Spieler als Tretertruppe abkanzeln. "Von denen erwarte ich ein professionelleres Verhalten", sagte Koch und meinte Franz Beckenbauer, den deutschen Organisations-Chef für die WM 2006, der in seinem Hausblatt "Bild" das Fritz-Walter-Stadion als WM-Stadion in Frage gestellt hatte. "Wir werden nicht objektiv behandelt", klagte Koch. Gegen die Bayern hätten die meisten doch spielerisch gar keine Chance. Der Betzenberg stehe nun einmal für Kampf. "Was nichts mit Unfairness zu tun hat. Aber, wenn wir uns davon abbringen lassen, gewinnen wir kein Spiel mehr."

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