Sport : KROATIEN – DEUTSCHLAND

Gruppe B, Wörthersee-Stadion Klagenfurt 18.00 Uhr, live im ZDF

Nicht genug damit, dass die Kroaten nach dem 1:0-Duselsieg gegen Österreich durch ein Elfmetertor nach vier Minuten in der Heimat als „schlaffe Rentnertruppe“ verspottet wurden. Nein, Trainer Slaven Bilic musste sich auch für seine Musikauswahl in der Kabine kritisieren lassen. Bilic, selbst Mitglied einer Rockband, hatte nach dem Auftaktspiel das Lied „Lijepa li si“ (Bist du schön) der kroatischen Gruppe Thompson aufgelegt. Die Spieler hätten wie Verlierer gewirkt, da habe er ihnen gesagt. „Singt! Ich wollte, dass sie etwas entspannter und fröhlicher sind. Es ist ein toller Song.“ Die Band ist in Kroatien extrem populär, gilt aber als nationalistisch. In den Songs kommen Slogans vor, die das faschistische Ustascha-Regime während des Zweiten Weltkrieges verwendet hatte. Der Band wird vorgeworfen, dass Anhänger während der Konzerte den Hitler-Gruß zeigen, einige Thompson-Konzerte im Ausland wurden nach Protesten jüdischer Organisationen verboten.

An ihrer Musikauswahl werden die Kroaten wohl trotzig festhalten, ihren fußballerischen Auftritt werden sie überarbeiten müssen. „Gegen Deutschland wird es leichter“, sagt Kapitän Niko Kovac, „gegen Österreich hatten wir einen ernormen psychischen Druck, der uns zeitweilig lähmte. Wir mussten gewinnen.“ Dieser Druck sei nun weg, „wir werden richtig dagegen halten“. Die Statistik spricht für die Deutschen, von sieben Spielen gegen Kroatien ging nur eines verloren – das WM-Viertelfinale 1998 endete 0:3. Bilic stand damals noch selber auf dem Platz. Mittelfeldspieler Ognjen Vukojevic traut seinem Team den zweiten Sieg zu: „Wir haben qualitativ sehr starke Spieler. Modric und Srna sind besser als Ballack und Podolski“, behauptet er.

Ein anderer spuckt nicht so laute Töne, ist aber nicht weniger entschlossen. Ivan Klasnic hofft, heute zu seinem ersten EM-Einsatz zu kommen. Er wäre der erste Fußballprofi, der ein EM-Spiel mit einer Spenderniere bestreiten würde. Ende 2007 hatte er acht Monate nach der Transplantation sein Comeback in der Bundesliga für Werder Bremen gegeben. Mehrfach warf Klasnic Bremens medizinischer Abteilung Versagen bei der Behandlung der Nierenprobleme vor. Ein neues Vertragsangebot lehnte er deswegen ab. Bei der EM will er sich nun für einen neuen Verein empfehlen.

Schiedsrichter: Frank De Bleeckere (Belgien)

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