Sport : Krönung einer Karriere

Langläufer Tobias Angerer gewinnt die Tour de Ski

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Val di Fiemme - Die Deutschland-Fahne auf der Schulter, ein triumphierendes Lachen im Gesicht – so stapfte Tobias Angerer die letzten 70 Meter des 3,5 km langen Anstiegs zum Alpe Cermis hinauf und feierte anschließend völlig erschöpft den größten Einzelerfolg seiner Laufbahn. Mit dem Sieg bei der Tour de Ski erfüllte sich der Bayer aus Vachendorf einen großen Traum. Noch im Zielbereich entkorkten die Teammitglieder von Angerer die Sektflaschen, umarmten den Gesamtweltcup-Gewinner der vergangenen Saison, dem Platz 18 auf der Schlussetappe in Val di Fiemme zum Gesamtsieg reichte.

„Es ist einfach überwältigend, unbeschreiblich, wenn du mit der Fahne und dem Applaus der Leute ins Ziel läufst“, sagte Tobias Angerer. „Ich bin den Berg gelassen angegangen, habe versucht, meinen Rhythmus durchzuziehen.“ Immerhin mussten bei dem Rennen auf den 1278 Meter hohen Alpe Cermis 423 Höhenmeter überwunden und eine durchschnittliche Steigung von 12 bis 14 Prozent bewältigt werden. Selbst das zeitige Herankommen seines Kontrahenten Simen Östensen aus Norwegen, der am Ende noch vom Russen Alexander Legkow überholt wurde, störte den 29 Jahre alten Bayern nicht.

Für Bundestrainer Jochen Behle stand der Erfolg Angerers nicht lange in Frage. „Er ist die Nummer eins, und das nun schon im zweiten Jahr“, lautete die Erklärung des Coaches. „Aber auch wir als gesamte Mannschaft sind stolz, dass wir solche Athleten haben und sie begleiten dürfen“, sagte Behle.

Dabei schien Angerers Karriere schon beendet. Nur dem Vertrauen von Bundestrainer Behle hat es Angerer zu verdanken, dass er mittlerweile der wohl angesehenste Skilangläufer im Weltcup-Feld ist. Denn 2001, als Angerer nicht den Sprung ins WM-Team schaffte, sollte er aussortiert werden. „Wenn ich Tobias in der Saison 2001/2002 nicht noch einmal Weltcup-Starts ermöglicht hätte, wäre es vorbei gewesen“, erzählt Jochen Behle. So aber schaffte Tobias Angerer den Sprung zu den Olympischen Winterspielen nach Salt Lake City und wurde dort mit der Staffel Dritter. Seitdem wuchs sein Selbstvertrauen, auch wenn der Durchbruch noch drei Jahre auf sich warten ließ. Erst nach der Weltmeisterschaft in Oberstdorf ging es aufwärts für Angerer. Bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin gewann er im Rennen über 15 Kilometer im klassischen Stil die Bronzemedaille. Außerdem errang er mit der Staffel die Silbermedaille.„Der Einstieg in die Oberhofer Trainingsgruppe von Cuno Schreyl war das letzte noch fehlende Puzzleteil“, sagt Behle.dpa

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