Sport : Kronzeuge Hoyzer

Das DFB-Sportgericht ordnet die Wiederholung des Regionalligaspiels Hertha gegen Bielefeld an

Robert Ide

Frankfurt am Main/Berlin - In der Manipulationsaffäre um den suspendierten Schiedsrichter Robert Hoyzer hat das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) eine weitere Spielwiederholung angeordnet. Es wertete das am 11. August 2004 ausgetragene Regionalliga-Spiel zwischen den Amateuren von Hertha BSC und den Amateuren von Arminia Bielefeld (2:1) als manipuliert und verfügte eine Neuansetzung. Ein Termin dafür steht noch nicht fest.

Schiedsrichter der Partie war Dominik Marks, der am Donnerstag nicht zur Verhandlung in die DFB-Zentrale in Frankfurt am Main kam. Marks hatte schriftlich seine Unschuld beteuert. „Sollte Hoyzer mich des Zusammenwirkens bezichtigen, dann lügt er“, ließ Marks verlauten. Der Schiedsrichter aus Stendal war zuvor von Hoyzer, der den Betrug bei mehreren Fußballspielen eingestanden hat, belastet worden. Es bestehe kein Zweifel daran, dass eine Manipulations-Verabredung gegeben habe, sagte der Sportgerichtsvorsitzende Rainer Koch nach der dreistündigen Sitzung. Zuvor hatte er noch einmal mit Hoyzer telefoniert.

Der DFB hat mit der Entscheidung nach Ansicht von Beobachtern nun Hoyzer, gegen den wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs ermittelt wird und der zwischenzeitlich in Berlin in Untersuchungshaft saß, als Kronzeugen in der Affäre eingestuft. „Die Entscheidung ist für mich nicht nachvollziehbar“, sagte Karsten Heine, Trainer von Herthas Amateuren, dem Tagesspiegel. „Wenn Marks eine Manipulation gestanden hätte, wäre eine Wiederholung akzeptabel gewesen, so ist sie das für uns nicht.“

Hoyzer hatte bei Vernehmungen ausgesagt, Marks habe für die Manipulation des Spiels 6000 Euro von kroatischen Hintermännern kassiert, die auf das Spiel hohe Wetten platziert hätten. Marks soll nach Hoyzers Angaben außerdem 30 000 Euro für die Manipulation des Zweitligaspiels zwischen dem Karlsruher SC und dem MSV Duisburg (0:3) erhalten haben. Auf Grund der Anschuldigungen wurde Marks am 15. Februar vom DFB mit einer Vorsperre belegt. „Ich kann die Entscheidung des Sportgerichts gut nachvollziehen“, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger auf Nachfrage. Wer die Vernehmungsprotokolle Hoyzers gelesen habe, könne zu dem Schluss kommen, „dass er bezüglich seiner ehemaligen Schiedsrichter- Kollegen die Wahrheit sagt“, ergänzte Zwanziger.

In der vierten Verhandlung im Zuge des Wettskandals stand das Sportgericht vor einer unbekannten Situation. In den bisherigen Verfahren hatte entweder Hoyzer einen Betrug gestanden, etwa im Fall des ebenfalls annullierten Zweitligaspiels LR Ahlen gegen Wacker Burghausen (1:0), oder es ließen sich keine Nachweise für Manipulationen finden. In diesem Fall lagen erstmals unterschiedliche Aussagen über das Geschehen vor. Schiedsrichter Marks hatte bei dem Spiel den Bielefeldern ein Tor verwehrt und Hertha einen zweifelhaften Elfmeter zugesprochen.

Der Wettskandal hat jedoch nicht die Bundesliga erreicht. Das Sportgericht wies den Einspruch des SC Freiburg gegen die 0:3-Niederlage beim 1. FC Kaiserslautern zurück. Es gebe keine ausreichenden Beweise für eine Manipulation. Das Spiel am 27. November 2004 hatte Jürgen Jansen geleitet. Nachdem der Verdacht der Manipulation im Raum stand, hatte die Staatsanwaltschaft sogar Jansens Wohnung in Essen durchsucht. Mit einer Pressekonferenz und einer Analyse von umstrittenen Szenen des Spiels in Passau hatte dann Jansen seine Unschuld zu beweisen versucht. Einziger Anhaltspunkt sei nur eine vage Aussage Hoyzers gewesen, sagte Sportrichter Rainer Koch. Hoyzer habe geäußert, ihm sei zu Ohren gekommen, dass das Spiel manipuliert worden sei.

Berliner Bundesliga-Schiedsrichter hatten auch die Vermutung geäußert, dass sich Hoyzer mit seiner Aussage an Jansen habe rächen wollen. Bei einem Spiel habe sich Jansen über Hoyzers äußeres Erscheinungsbild beklagt und ihm gesagt, dass er so beim nächsten Mal nicht mehr zum Spiel kommen könne, berichtete Schiedsrichter Lutz Michael Fröhlich. Jansen stellte jetzt noch einmal klar, dass er zu den beschuldigten kroatischen Hintermännern keinerlei Kontakt gehabt habe. Auch nach Hoyzers Aussage hatten die Brüder Ante und Filip S. keine unmittelbare Verbindung zu Jansen. Der Schiedsrichter aus Essen rechnet nun damit, so schnell wie möglich wieder Spiele in der Bundesliga leiten zu können.

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