Sport : Krumme Wege nach Athen

Griechen aus der ganzen Welt könnten bei Olympia Hockey spielen – auch Marius Delvenakiotis aus Berlin

Daniel Meuren

Berlin. Den Traum, bei Olympischen Spielen Hockey zu spielen, hatte Marius Delvenakiotis mit 16 Jahren. Da wurde er vom Deutschen Hockeybund zu Juniorenländerspielen eingeladen und spielte zusammen mit den späteren Weltmeistern Oliver Domke, Björn Emmerling und Björn Michel. Während deren Karrieren einen steilen Verlauf nahmen, musste Delvenakiotis (Foto: R/D) seine Hoffnungen auf internationale Spiele aufgeben – bis 1997. In jenem Jahr wurden die Olympischen Spiele nach Athen vergeben. „Ich habe mir sofort gedacht, dass sich jetzt mein olympischer Traum noch erfüllen kann“, sagt Delvenakiotis.

Die Eltern des 1975 in Berlin geborenen Hockeyspielers sind nämlich Griechen. Eine Nominierung ins griechische Nationalteam war reine Formsache. Denn Hockey hat in Griechenland ungefähr den Stellenwert, den Cricket in Deutschland genießt. Mit der sportlichen Ausbildung beim Berliner Zweitligaklub Zehlendorfer Wespen war Delvenakiotis sogar überqualifiziert. „Es gab nur eine Altherrenmannschaft, die sich Nationalmannschaft nannte. Ein richtiger Verband existierte nicht. Um Nationalspieler zu werden, genügte mir ein einziges Telefonat.“ Weil es einem Gastgeberland eine Verpflichtung ist, für jeden olympischen Wettbewerb Teilnehmer zu stellen, wurde der griechische Hockeyverband für die Spiele gegründet. Der Hockey-Weltverband FIH vermittelte einen holländischen Trainer, und schon konnte der Aufbau einer richtigen Nationalmannschaft beginnen. „Anfangs hätte ich nie geglaubt, dass wir irgendwann einmal annähernd konkurrenzfähig sein würden“, erzählt Delvenakiotis.

Folglich verabschiedete er sich 2002 kurzzeitig frustriert aus dem Team, das vor allem aus Anfängern bestand, die für die mögliche Olympiateilnahme aus anderen Sportarten wie Fußball oder Handball zum Hockey wechselten. „Mein olympischer Traum wurde eher zum Albtraum. Nur mit 0:20-Packungen wollte ich mich dann doch nicht bei Olympia blamieren.“

Vor gut einem Jahr änderte sich dann aber die Lage. Die Griechen verpflichteten Cedric d’Souza. Der ehemalige indische Nationalcoach sollte das Team an internationales Niveau heranführen. D’Souza versammelte Griechen aus aller Welt um sich. Neben dem Mannschaftskapitän Delvenakiotis, seinen ebenfalls in Deutschland aufgewachsenen Kollegen Alex Terzis und Ilya Pelteko spielen in Australien, Holland, England, Frankreich und Österreich beheimatete Griechen im Team mit wenigen Einheimischen. „Wir haben im Trainingslager täglich sechs Stunden trainiert. Das war unglaublich hart, aber auch unglaublich lehrreich“, sagt der 22 Jahre alte Alex Terzis, der den Weg nach Athen vom Oberliga-Club THV Bonn aus in Angriff nahm.

Die Griechen schlugen sich in Vergleichen mit potenziellen Olympiateilnehmern immer besser, bis die FIH zum Spielverderber wurde. Die Funktionäre entschieden ganz gegen die Gepflogenheiten, dass sich das Gastgeberland in dieser Woche in maximal drei Spielen gegen Kanada für Olympia zu qualifizieren habe. Zuvor hatte die FIH einem Gastgeber nie eine solche Last auferlegt. „Die behaupteten einfach, wir wären zu schlecht“, sagt Delvenakiotis. Aber er hat einen anderen Verdacht: „Die haben Angst, dass wir genau den Platz wegnehmen, den ihre Nationalmannschaft einnehmen könnte.“ Mit Siegen gegen Kanada wollen die Griechen nun die Funktionärsriege ärgern. Dann ginge es in Athen freilich vor allem ums Dabeisein. Auch wenn der Hamburger Grieche Ilya Pelteko sich für seine olympische Odyssee bei einem Anbieter extra die E-Mail-Adresse „Goldgrieche“ eingerichtet hat.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben