Sport : Kühl bis zum Schluss

Liverpool siegt gegen Chelsea im Elfmeterschießen und steht im Finale

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Liverpool - Auf allerhöchstem Niveau entscheidet im Fußball manchmal eine winzige Unachtsamkeit über Erfolg und Misserfolg. So war es auch gestern im Halbfinal-Rückspiel der Champions League zwischen dem FC Liverpool und dem FC Chelsea. In der 22. Minute bekamen die Liverpooler an der linken Seite einen Freistoß. Die Spieler von Chelsea erwarteten eine hohe Flanke in den Strafraum, doch Steven Gerrard passte den Ball flach an die Strafraumgrenze, Daniel Agger stand völlig frei und schoss den Ball flach und platziert zum 1:0 neben den Pfosten. Mit diesem Tor hatte der FC Liverpool das erste Ziel erreicht und Chelseas Vorsprung aus dem Hinspiel aufgeholt. Für die Entscheidung ließ er sich bis zum Elfmeterschießen Zeit. Weil Robben und Geremi an Torhüter Pepe Reina scheiterten, gewann Liverpool 4:1 im Elfmeterschießen und steht damit zum siebten Mal im Finale um den wichtigsten Europapokal.

Es war ein perfektes Täuschungsmanöver, das zum 1:0 führte. Liverpools Spiel war eigentlich darauf angelegt, mit Flanken die starke Abwehr Chelseas aufzureißen. Anders als im Hinspiel hatte Trainer Rafael Benitez zwei Stürmer – Peter Crouch und Dirk Kuyt – aufgeboten, die von den offensiven Mittelfeldspielern mit Bällen versorgt werden sollten. Der FC Liverpool setzte der größeren individuellen Klasse Chelseas vor allem seine unbändige Wucht entgegen. Mit der Unterstützung ihres Publikums versuchten die Gastgeber, ihren Gegner von Anfang an unter Druck zu setzen. Klare Chancen sprangen anfangs allerdings nicht heraus, obwohl Chelseas Trainer José Mourinho in der Abwehr Ricardo Carvalho ersetzen musste.

Die Londoner brauchten nach dem Rückstand einige Zeit, um sich auf die neue Situation einzustellen. Sie begannen sehr defensiv, um den 1:0-Vorsprung aus dem Hinspiel zu verteidigen. Erst nach etwas mehr als einer halben Stunde hatte Chelsea die erste gute Chance: Didier Drogba scheiterte allerdings an Liverpools Torhüter Pepe Reina. Kurz vor der Pause konnte Essien den Ball nach einer Kopfballverlängerung nicht mehr Richtung Tor lenken.

Das Spiel lebte weniger von der fußballerischen Klasse als von der Intensität und der Spannung. An Torszenen mangelte es auch nach der Pause lange. Doch dann erhöhte Liverpool die Anstrengungen. Nach einer Flanke von Pennant setzte sich Crouch gegen zwei Verteidiger durch, seinen Kopfball aber konnte Chelseas Torhüter Petr Cech mit dem Fuß abwehren (56.). Nur drei Minuten später hatte Cech das Nachsehen: Der Kopfball von Kuyt landete jedoch an der Latte.

Liverpool suchte die Entscheidung in der regulären Spielzeit, Chelsea schien eher auf die Verlängerung oder sogar ein Elfmeterschießen zu setzen. Eine Viertelstunde vor Schluss aber vergab Drogba die große Chance zum Ausgleich und damit zur Entscheidung. Essien passte den Ball fast von der Torauslinie in den Fünfmeterraum, Drogba aber lenkte ihn am Tor vorbei.

In der Verlängerung lähmte die Angst vor dem möglicherweise entscheidenden Fehler das Spiel. Der Schiedsrichter machte ihn nicht. In der 100. Minute ließ Cech einen Schuss von Xabi Alonso nach vorne abprallen, Kuyt reagierte am schnellsten und erzielte das 2:0. Doch Schiedsrichter Gonzalez gab den Treffer nicht. Der Holländer hatte bei Alonsos Schuss ganz knapp im Abseits gestanden. Die Entscheidung war korrekt. In letzter Minute hatte Kuyt erneut Pech. Er scheiterte mit seinem Schuss an Cech. Doch auch für den Holländer fand das Spiel ein versöhnliches Ende: Er verwandelte den letzten und entscheidenden Elfmeter.

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