Sport : Kündigung per Fax

Der Arbeitsvertrag von Jan Ullrich wird fristlos aufgelöst – der deutsche Radprofi akzeptiert das nicht

Sebastian Moll[Macon]

Nun ist es offiziell: Seit gestern hat Jan Ullrich kein Team mehr. Die Anwälte von T-Mobile schickten dem deutschen Radprofi am Donnerstag per Fax eine außerordentliche Kündigung seines Fahrervertrages. „Die Anwälte haben uns dazu geraten, die Kündigung auszusprechen“, kommentierte Teamsprecher Luc Eisenga den Rausschmiss des erfolgreichsten deutschen Fahrers aller Zeiten. Nach Einsicht der belastenden Unterlagen aus den Ermittlungen der spanischen Staatsanwaltschaft gegen den Madrider Sportarzt Eufemiano Fuentes, so Eisenga, hätten die Rechtsberater des Konzerns befunden, dass eine Grundlage für eine Auflösung des Arbeitsverhältnisses bestehe. Hinzu komme, dass Jan Ullrich trotz einer von T-Mobile gesetzten Frist bis heute nicht die vom Team geforderte Erklärung seiner Unschuld geliefert habe. Dem ebenfalls in die Fuentes-Affäre verwickelten Oscar Sevilla kündigte T-Mobile ebenso.

Die Frist für Ullrichs Unschuldserklärung war vor einer Woche abgelaufen. Jan Ullrich behauptet, er habe innerhalb dieser Frist die geforderte Erklärung geliefert. T-Mobile bestätigt, dass es ein Schreiben von Ullrich gegeben habe. Darin hatte Ullrich jedoch lediglich darauf hingewiesen, dass er das Recht auf die Unschuldsvermutung habe. Eine Unschuldsbekundung sei das nicht gewesen. Ullrich empörte sich gestern auf seiner Homepage nicht nur über die Kündigung, sondern vor allem über deren Form. „Die Kündigung von T-Mobile ist für mich nicht akzeptabel”, ließ er auf seiner Internetseite wissen. „Sehr enttäuscht bin ich darüber, dass mir diese Entscheidung nicht persönlich, sondern von den T-Mobile-Anwälten nur per Fax mitgeteilt wurde. Ich finde es beschämend, dass ich nach so vielen Jahren guter Zusammenarbeit und nach allem, was ich für das Team getan habe, wie eine Faxnummer behandelt werde.”

Dieser Version widerspricht T-Mobile. Olaf Ludwig, dessen Cycling GmbH als Betreiberfirma des Teams der formale Vertragspartner von Ullrich ist, habe mehrfach versucht, Ullrich anzurufen und ihm die Entscheidung persönlich mitzuteilen, erklärte Eisenga. Ullrich sei aber nicht aufzufinden gewesen.

Jan Ullrichs Anwalt Ulrich Theune von der Großkanzlei Luther sagte, er werde die Kündigung anfechten, wenn „für die kommende Woche geplante Gespräche keine Einigung“ brächten. Auf dem Spiel stehen neben der Fahrervereinbarung zwischen Ullrich und Ludwig ein mehrjähriger Anschlussvertrag zwischen Ullrich und dem Konzern. Jan Ullrich hatte bei seiner Rückkehr zu T-Mobile 2003 eine solche Abmachung als Zukunftssicherung für die Zeit nach seiner aktiven Karriere verlangt. Ob und wo überhaupt die nun fortgesetzt werden kann, ist seit gestern unklar.

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