Sport : Künstlerpech beim "Amateurverein"

SVEN GOLDMANN

Wertloser Eishockeysieg: Der 5.Dezember war weder der Tag des Hans Zach noch der der DEG VON SVEN GOLDMANN

Berlin.Der Herr Erfolgstrainer stolziert in den Saal, wirft einen finsteren Blick auf das Auditorium und stellt ein Schildchen mit der Aufschrift "Bitte nicht rauchen" auf den Tisch.Wie auf Bestellung zieht ein paar Reihen weiter hinten Helmut Berg an seiner frisch angesteckten Zigarette."Aber Herr Berg - ich bitte Sie", sagt Hans Zach und zeigt auf sein Schildchen."Na klar", antwortet der Präsident der Berliner Eisbären und nimmt noch einen Zug."Bei euch in Düsseldorf vielleicht.Aber hier sind wir zu Hause." Nein, dieser 5.Dezember ist nicht der Tag des Hans Zach, und erst recht nicht der des Deutschen Eishockeymeisters Düsseldorfer EG.4:3 gewonnen bei den Berliner Eisbären und trotzdem verloren, weil irgendein Depp vergessen hat, den Namen des Finnen Mikko Mäkelä auf das Spielprotokoll zu schreiben - das muß einer wie Zach erst einmal verarbeiten.Er tut das auf bewährte Art.Bloß keine Frage ernst nehmen.Möglichst viel ins Lächerliche ziehen.Zur Not auch ein Witzchen auf eigene Kosten machen.Ja, der Mäkelä sei nicht auf der Liste gestanden, da gebe es wohl irgendeine Regel, welche, das wisse er gerade nicht.Wie das Spiel jetzt gewertet werde? Keine Ahnung, aber jeder habe ja gesehen, daß seine Mannschaft auf dem Eis gewonnen habe, und zwar hochverdient, der Rest sei Sache der Gerichte, schade eigentlich, nach so einem schönen Eishockeyspiel.Später, im privaten Kreis, wird er deutlicher."Wie kann denn so etwas bloß passieren", schimpft Zach und gibt sich die Antwort gleich selbst: "Wir sind Deutscher Meister, reisen aber herum wie ein Amateurverein." Kruzifix, muß er denn alles selbst machen? Zuständig für das Spielprotokoll ist seit ein paar Wochen Helmut de Raaf.Der frühere Nationalspieler hat auf Drängen Zachs den Posten des Sportlichen Leiters übernommen, weil der Trainer den ihm verhaßten Manager Rolf van Hauten nicht mehr im Kreis der Mannschaft sehen mag.De Raaf aber hat am Donnerstag noch einen anderen Termin und kommt erst kurz vor Spielbeginn in Hohenschönhausen an.So gibt denn ein Betreuer die Mannschaftsliste beim Kampfgericht ab, dummerweise die vom Dienstag, als die DEG daheim gegen die Augsburger Panther gespielt hat.Da war der Herr Mäkelä verletzungsbedingt verhindert, ergo taucht sein Name auch in Berlin nicht auf.Dafür ist Nationalspieler Ben Doucet offiziell mit von der Partie, der allerdings daheim im Bett liegt, weil er sich gegen Augsburg eine Bänderverletzung zugezogen hat.Künstlerpech. Mäkelä läuft jedenfalls auf, und mit seiner ersten Eisberührung ist die Partie für die DEG offiziell verloren.Der Finne steht nicht auf dem offiziellen Formular, also ist er nicht spielberechtigt.Die Statuten sind klar und deutlich, einen Präzedenzfall haben sie in Berlin sofort zur Hand.Am 6.Januar 1993 hatte der BSC Preussen vergessen, seinen Verteidiger Michael Komma auf die Liste zu setzen.Der anschließende 4:1-Sieg gegen den EV Landshut wurde am Grünen Tisch in eine 0:5-Niederlage umgewandelt.Auch die Eisbären haben bereits Protest eingelegt. Direkt neben dem erbosten Zach sitzt Helmut de Raaf, und er scheint sich irgendwie mitschuldig zu fühlen, jedenfalls verzieht er das Gesicht ein ums andere Mal zu einer schmerzverzerrten Grimasse.Ansonsten: "Kein Kommentar." Ein ehemaliger Mannschaftskollege ist da sehr viel gesprächiger."Das ist doch peinlich für einen Verein wie die DEG", sagt Ex-Nationalspieler Rick Amann."Da geben die im Jahr was weiß ich wie viele Millionen für Gehälter aus und leisten es sich nicht, zu einem Auswärtsspiel einen Mann für den organisatorischen Kram mitzuschicken." Amann verdient sein Geld als Moderator beim Deutschen Sportfernsehen.Der Kollege, den er mit einem Interview Zachs beauftragt, fühlt sich überhaupt nicht wohl in seiner Haut: "Mein Gott, wenn ich jetzt zum Hans gehe, dann beißt der mir doch ins Mikrofon."

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