Kür der Damen : Die ersten Tränen, das erste Lächeln

Die Kür der Eiskunstläuferinnen zeigte zwei Hauptdarstellerinnen mit berührenden Geschichten: Die perfekt siegende Südkoreanerin Yu-Na Kim und die trauernd starke Kanadierin Joannie Rochette

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Mutig. Menschlich gerührt waren die Zuschauer von Joannie Rochette, die nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter die Bronzemedaille...Foto: AFP

Sie hat sich in diesen olympischen Tagen von Routine zu Routine gehangelt – und alle haben ihr dabei zugesehen, neugierig und mitleidig zugleich. Die kanadische Eiskunstläuferin Joannie Rochette hat ihr Programm absolviert: Training, Kurzprogramm, Kür. Das ist die Welt, die sie kennt, in ihr fühlt sie sich sicher.

Nur weil die 24-Jährige eine sehr starke Frau ist, konnte sie ihre Aufgaben in Vancouver erfüllen, die ihr der Sport und auch ihre Nation auferlegt haben. Sie tat es, obwohl am vergangenen Wochenende überraschend ihre Mutter gestorben war, zu der sie ein sehr enges Verhältnis hatte. Für die Verstorbene, die der größte Fan der Athletin war, lief Joannie Rochette nun am Donnerstagabend ihre olympische Kür. Und Kanada verfolgte ihre Darbietung gebannt – schon das Kurzprogramm hatte das Land gerührt und berührt. Am Schluss war sie auf dem Eis in Tränen ausgebrochen.

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Anmutig. Mit einem grazilen Lauf der Leichtigkeit beeindruckte Yu-Na Kim die Jury und das Publikum. -Foto: dpa

Rochette hat sich insgesamt erstaunlich gut im Griff



Nun, nach ihrer olympischen Kür, warf Joannie Rochette eine Kusshand gen Himmel und sie rang sich sogar ein Lächeln ab, das ihr im Kurzprogramm noch nicht von den Lippen gehen wollte. Und alle konnten sehen: Rochette hat sich insgesamt erstaunlich gut im Griff. Sie zeigte nur eine leichte Unsicherheit beim dreifachen Flip und belegte den dritten Platz hinter Yu-Na Kim aus Südkorea und Mao Asada aus Japan, die glänzend gelaufen waren.

Für das Publikum im Pacific Coliseum von Vancouver aber war die in jeder Hinsicht starke Rochette der Star des Abends, die Zuschauer feierten sie mit Jubelovationen. Später erzählte die Athletin, die nach dem tödlichen Herzinfarkt der Mutter in Vancouver alle öffentlichen Termine abgesagt hatte, noch ein wenig von sich. Sie sagte, dass sie das alles nur geschafft habe, weil sie wusste, dass auch ihre Mutter den Start gewollt hätte. „Ich wollte, dass meine Mutter stolz auf mich ist, sie wollte immer, dass ich stark bin“, sagte Rochette. „Wir haben seit zehn Jahren auf diesen Tag hingearbeitet, deshalb musste ich starten.“

Sie hoffe, fügte Joannie Rochette hinzu, dass sie mit ihrer Leistung Kinder und Jugendliche für ihren Sport inspirieren könne. In Kanada zumindest dürfte das gelingen. Die „Vancouver Sun“ schrieb am Freitag: „Ihre Medaille zählt hier mehr als jede andere.“

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