Sport : Kugelschreiber im Knie

André Görke

Vielleicht war es der trockene Lehmboden. Der geht auf die Gelenke. Vor zehn Tagen noch hat der 1. FC Union auf Zypern trainiert, die Fußballplätze waren hart, vom Wind und der Sonne ausgetrocknet. Sixten Veit klagte über Schmerzen im Knie. Leicht verdreht, dachte er. Vielleicht war es auch beim Zweikampf passiert, bei einem Pressschlag. Im Fußball ist so was normal. Irgendwann würde der Schmerz bestimmt nachlassen. "Nicht so schlimm", sagte Veit.

Die Diagnose war falsch. Der Schmerz hat nicht nachgelassen. Unions Mittelfeldspieler muss jetzt sogar operiert werden und fällt mindestens drei Wochen aus. "Der Außenmeniskus im linken Knie ist geschädigt", sagt Unions Mannschaftsarzt Torsten Dolla. "Wahrscheinlich ein Meniskusanriss." Aber das könne man bei einer Kernspintomografie nicht definitiv feststellen. Die Kernspintomografie dient nur der Diagnose, sie ist kein operativer Eingriff. "Auf den Bildern sieht man nicht alles", sagt Dolla.

Veit wird wahrscheinlich schon heute von Herthas Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher operiert. Die beiden kennen sich noch aus jenen Jahren, in denen Veit bei Hertha BSC spielte. Der Eingriff ist einfach: "Eine Kniespiegelung", sagt Dolla. "Man geht mit einer kleinen Kamera, die wie ein Kugelschreiber aussieht, ins Knie des Patienten. Die Bilder sehen wir auf einem Bildschirm. Dann wird entschieden, wie viel vom Meniskus rausgeschnitten und rausgesaugt wird."

Für Veit ist das eine unangenehme Situation. Union hatte ihn erst Anfang Januar verpflichtet, er sollte dem Klub mit seiner Erfahrung weiterhelfen. Vor zwei Jahren spielte Veit mit Hertha BSC noch in der Champions League. Am vergangenen Freitag, beim Sieg über Oberhausen, machte er sein erstes Spiel für Union. "Ich hatte nie Probleme mit dem Knie", sagt Veit. Ein Invalide ist er nicht. Auch nicht nach der Kniespiegelung. Dolla sagt: "Das ist kein Eingriff, nach dem man gelähmt ist."

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