Kugelstoßen : Erste Medaille für Deutschland: Bronze für Ralf Bartels

Kugelstoßer Ralf Bartels hat bei der Leichtathletik-WM in Berlin die erste deutsche Medaille gewonnen. Mit 21,37 Metern holte der 31-Jährige am Samstagabend Bronze.

Frank Bachner
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Stoßgewaltig: Ralf Bartels.Foto: dpa

Ralf Bartels hob strahlend die Faust von Christian Cantwell in die Höhe. Er sah aus wie ein Ringrichter im Boxen, der den Zuschauern den Sieger präsentiert. Cantwell hatte wirklich gewonnen, er war gerade Weltmeister im Kugelstoßen geworden, aber vor allem feierte Bartels in dieser Sekunde auch sich selbst. Ralf Bartels aus Neubrandenburg, Europameister von 2007, hatte Bronze gewonnen, die erste Medaille der Deutschen bei der Leichtathletik-WM. 21,37 Meter hatte der 31-Jährige die Kugel gewuchtet, einen Zentimeter weiter als seine bisherige Bestmarke. Dass er an den US-Amerikaner Cantwell (22,08) und den WM-Zweiten Tomasz Majewski aus Polen (21,91) nicht herangekommen war – egal. Bartels freute sich wie ein kleines Kind über diese Medaille. Freudestrahlend war ihm der Leipziger Peter Sack um den Hals gefallen. Sack hatte drei Fehlversuche und war früh ausgeschieden.

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Bartels Bronze, das war ein Triumph in einem spannenden, dramatischen Finale. Deutsche waren in der Dramaturgie dieses Wettkampfs eigentlich kaum vorgesehen, jedenfalls nicht in der Dramaturgie der Stars des Kugelstoßens. In diesem Finale ging es um die generelle Macht. Um das Duell USA gegen Majewski. Die US-Amerikaner wollten wieder ihre Vorherrschaft herstellen. Und dazu mussten sie Majewski, den Olympiasieger von 2008, in die Schranken weisen. Eine Frage der Ehre. Sechs der sieben vergangenen WM-Titel gingen an die USA. Drei der vier weitesten Stöße in diesem Jahr haben US-Amerikaner ausgeführt, unter den zehn besten Kugelstoßer aller Zeiten sind sechs US-Amerikaner. Und den Weltrekord hält mit Randy Barnes auch noch ein früherer US-Athlet (23,12).

Diesen 27-Jährigen Polen wollten sie hier besiegen, der hatte es gewagt, die USA herauszufordern. Bei den Olympischen Spielen in Peking hatte der 26-Jährige Gold geholt, mit 21,51 Metern. Cantwell, der Hüne aus Missouri, schob sich erst im letzten Versuch auf den zweiten Platz, mit 21,09 Meter. Und Reese Hoffa, der Weltmeister von 2007, kam nicht mal über 20,58 Meter. Er wollte unbedingt Revanche. Außerdem hatte Majewski die US-Amerikaner im Sommer mit ein paar Sprüchen provoziert.

Und erstmal sah auch alles nach dem Kampf USA gegen Majewski aus. Cantwell wuchtete die Kugel auf 21,54 Meter, und Hoffa legte mit 21,02 Meter gleich nach. Aber einer wie Majewski lässt sich nicht mehr sonderlich beeindrucken. Er konterte gleich im ersten Versuch mit 21,36 Meter, begeistert gefeiert von vielen polnischen Fans, die sich in der Westkurve versammelt hatten. Bartels kam erstmal auf 20,35 Meter. Das bedeutete Rang fünf. Sein zweiter Versuch landete bei 20,18 Meter, er stapfte mit ratlosem Blick aus dem Ring.

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Aber dann sein dritter Versuch. Bartels glitt schnell an, wuchtete die Kugel weit raus, und noch bevor sie auf dem Boden landete, da riss er schon die Fäuste hoch, seine Freude, seine Anspannung entlud sich in einem Urschrei. Und durchs Stadion zog sich der Aufschrei von vielen tausend Zuschauern. 21,37 Meter, einen Zentimeter weiter als der Olympiasieger. Bartels hatte seine eigene Bestleistung, vier Jahre alt, um einen Zentimeter verbessert. Damit hatte niemand gerechnet, Majewski nicht, die US-Amerikaner auch nicht. Plötzlich hatten sie einen Konkurrenten, der in dieser Saison gerade einmal über die 21 Meter gekommen war, 21,11 Meter genau. Und nun hatte der Europameister sich plötzlich auf Rang zwei geschoben. Aber Majewski konterte. 21,68 Meter, damit schob er sich auf Platz eins, damit hatte er auch die US-Amerikaner wieder abgehängt. Und im fünften Versuch steigert er sich mit einem gewaltigen Kraftakt noch mehr, auf 21,91 Meter.

Doch Cantwell antwortete zwei Minuten später. 22,03 Meter weit flog seine Kugel, und der 28-Jährige brüllte danach wie ein Gorillamännchen, das die Rangordnung klarstellen wollte. Nur Bartels musste noch mal zittern um Bronze. Adam Nelson aus den USA hatte in seinem letzten Versuch 21,28 Meter erreicht. Er wurde am Ende Fünfter. Titelverteidiger Hoffa landete auch Rang vier.

Majewski hatte noch eine Chance, seinen sechsten Versuch. Aber die Kugel plumpste nach 21,18 Meter auf den Boden. Cantwell risst die Arme hoch, dann signalisierte er mit schnellen Handbewegungen: Ich verzichte auf meinen letzten Versuch. Es war nicht mehr nötig, sich anzustrengen. Der Sieger kam aus den USA. Die alte Rangordnung war wieder hergestellt.  

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