Sport : Kumpeltyp oder harter Hund? Dortmund schweigt über die Trainerkandidaten

Felix Meininghaus[Dortm]

Am Montagnachmittag, kurz nach seiner Entlassung beim Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund, saß Thomas Doll in einem Straßencafé und unterhielt sich zum Abschied mit ein paar Fans. Seinem Vermieter teilte der Trainer mit, er werde sich „in den nächsten Tagen” bei ihm melden, wegen seines anstehenden Umzugs. Dabei, sagte Doll, „bin ich doch gerade erst vor fünf Wochen eingezogen”. Zu allem, was sich kurz zuvor auf der BVB-Geschäftsstelle abgespielt hatte, wollte Doll nichts sagen.

Fest steht, dass der Trainer und der Dortmunder Fußball-Bundesligist getrennte Wege gehen. Der Verein teilte knapp mit, Doll habe um Auflösung seines Vertrages gebeten. Kolportiert wird eine Abfindung von einer halben Million Euro, die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt von „knapp über einer Million”. Vielleicht als Aufschlag dafür, dass Doll dem Verein den unangenehmen Akt ersparte, ihn feuern zu müssen.

Wie es beim Weltpokalsieger von 1997 weitergeht, ist schwer zu beantworten. Nach der Saisonanalyse, die das Ende der 14-monatigen Ära Doll zur Folge hatte, verließen Geschäftsführer Watzke und Sportdirektor Zorc die Geschäftsstelle am Montag mit versiegelten Lippen. Am Abend sagte Watzke lediglich, es sei wünschenswert, schon in dieser Woche einen neuen Trainer zu finden. „Aber wir haben auch kein Problem, wenn es länger dauert.” Der Favorit der Medien auf den Posten heißt Jürgen Klopp, doch laut Watzke „könnte es auch auf einen anderen hinauslaufen”. Falls der BVB tatsächlich Klopp engagiert, ergeben sich neue Unwägbarkeiten. Schließlich gilt auch der Mainzer als Kumpeltyp. Nach der Überzeugung vieler in Dortmund braucht der BVB aber einen Trainer, dem Autorität über alles geht.

Immerhin: Klopp hat als Fernsehexperte nachgewiesen, dass er Thomas Doll rhetorisch klar überlegen ist. Allerdings sollen der Wirtschaftsrat um Präsident Reinhard Rauball und die Chefs der beiden wichtigsten Sponsoren einen gestandenen Trainer mit internationalem Ruf bevorzugen. Der könnte Leo Beenhakker heißen. Der Holländer bereitet die polnische Nationalmannschaft auf die EM vor und ließ vor Wochen mitteilen, er habe dem BVB zunächst einmal abgesagt. Eine Formulierung, die eine Hintertür offen lässt.

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