Sport : Kunst schlägt Leidenschaft

Werder Bremen unterliegt dem FC Barcelona nach großem Kampf mit 0:2

Steffen Hudemann[Bremen]

War es ein Ausdruck von Überheblichkeit, als Frank Rijkaard, der Trainer des FC Barcelona, über die Qualitäten des SV Werder Bremen referierte? Sehr konditions- und kopfballstark sei die Mannschaft, sagte Rijkaard. Also genau das, was man unbesehen von jedem deutschen Fußballteam behaupten kann. Dabei gelten die Bremer im nationalen Maßstab als ausgesprochen spielfreudig. Vielleicht war Rijkaards Aussage aber auch einfach nur Ausdruck eigenen Selbstbewusstseins. Es gibt in Europa zurzeit wohl keine Mannschaft, die schöner Fußball spielt als der Spanische Meister – und dabei auch noch erfolgreich ist. Werder begegnete der Kunst gestern Abend im Weserstadion mit großer Leidenschaft. Vergebens. Vor 37 500 Zuschauern unterlag Bremen dem FC Barcelona im ersten Gruppenspiel der Champions League 0:2 (0:1).

Dabei gelang es den Bremern zeitweise sogar, den Gegner gehörig unter Druck zu setzen. In der letzten Viertelstunde vor der Pause wurde das Tor der Katalanen regelrecht belagert, Barcelonas überragende Offensivkräfte Ronaldinho, Deco und Eto’o waren dadurch weitgehend aus dem Spiel genommen. Doch die Bremer nutzten in dieser Phase ihre Chancen nicht. In der Nachspielzeit traf Johan Micoud mit einem Volleyschuss nur den Pfosten. Zweimal verpasste Ivan Klasnic den Ball im Strafraum nur knapp, die beste Gelegenheit aber vergab Nelson Valdez, nachdem Klasnic Belletti kurz vor dem Strafraum den Ball abgeluchst hatte. Valdez rutschte in den präzisen Pass des Kroaten, kam fünf Meter vor dem Tor an den Ball und schaufelte ihn über die Latte.

Man merkte Valdez an, dass er sich viel für dieses Spiel vorgenommen hatte. Als Kind war er selbst Barça-Fan, und schon nach 70 Sekunden hätte er sich beinahe einen unvergesslichen Moment beschert. Nach einem schönen Pass in die Spitze scheiterte er allerdings an Barcelonas Torhüter Valdes. Bremens verschwenderischem Umgang mit den Torchancen setzten die Spanier hohe Effizienz entgegen. In der 13. Minute brachte Deco seine Mannschaft mit 1:0 in Führung. Vorausgegangen war ein schneller Spielzug über Werders rechte Abwehrseite. Die Bremer Verteidiger schafften es nicht, den Ball aus der gefährlichen Zone zu befördern, hatten aber auch Pech, dass Decos Schoss von der Strafraumgrenze von Frank Baumann so abgefälscht wurde, dass Torhüter Andreas Reinke keine Chance hatte.

Bremens Abwehr stand weitgehend sicher, obwohl sie sehr wohl risikoreich spielte. Die Viererkette versuchte immer wieder, Barcelonas schnelle Stürmer ins Abseits laufen zu lassen. Vor allem der Brasilianer Naldo machte in der Innenverteidigung eine starke Partie und hatte gleich nach der Pause auch in der Offensive eine gute Szene. Sein Freistoß aus gut 35 Metern ging nur knapp übers Tor.

In der zweiten Hälfte ließ der Druck etwas nach. Trainer Thomas Schaaf reagierte, brachte den offensiven Jensen für den defensiven Baumann, später auch Stürmer Aaron Hunt. Das zweite Tor aber fiel auf der anderen Seite. Nach einem zweifelhaften Foulelfmeter (Schulz an Messi) traf Ronaldinho eine Viertelstunde vor Schluss zum 2:0-Endstand.

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