Sport : Kunst und Konzept

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Natürlich gibt es für alles Erklärungen. Und Jupp Heynckes, der Trainer des FC Bayern München, hat ja unbedingt recht, dass seine Mannschaft die eindeutig bessere war im Finale gegen den FC Chelsea. Dass sie viel mehr in das Spiel investiert hat und deswegen am Ende mit schweren Beinen nicht mehr die nötige Frische hatte beim Elfmeterschießen. Dass sie eigentlich alles richtig gemacht hat, nur eben nicht belohnt wurde. Alles richtig, aber nur fast. Die Bayern haben fast alles richtig gemacht, sie haben nur die Tore vergessen. Und nun steht trotz dieser hervorragenden Leistung gegen Chelsea unter dem Strich der Saison: dreimal Zweiter. Leere Hände, wohingegen der nationale Konkurrent aus Dortmund in der linken Hand die Schale hält und in der rechten den Pokal. Ist das nun die Ablösung, das Ende einer Ära?

Wer in drei Jahren zweimal das Finale der Champions Lague erreicht, hat Herausragendes geleistet. Aber beide Finals zu verlieren, ist eben auch eine Aussage. Es wird jetzt viel debattiert werden, ob die Bayern in ihrer Vergangenheit stehengeblieben sind. Ob sie die Zeichen der Zeit des modernen Fußballs verkannt oder ignoriert haben. Oder ob der sogenannte Konzeptfußball, bei dem eine Mannschaft einer spielerischen Idee folgt, unabhängig von ihren Individuen obsiegt hat über den vermeintlich antiquierten Heldenfußball, der die individuellen Könner in den Vordergrund stellt. Kann sein, kann nicht sein.

Die Konzeptfußballer von Borussia Dortmund sind im internationalen Geschäft grandios gescheitert. Die derzeitigen Vorbilder allen globalen fußballerischen Schaffens, die Konzeptkünstler aus Barcelona, sind auch gescheitert, wenn auch nicht grandios und auch erst im Halbfinale. Da gegen eine Mannschaft, Chelsea nämlich, deren Spielweise nichts, aber auch gar nichts Konzeptionelles hat, sondern sehr veraltet ist und, wie weiland das fürchterlich anzuschauende Griechenland des Otto Rehhagel, auf das Können eines einzelnen Helden vertraut. Was also nun? Hat der FC Bayern noch eine Zukunft? Oder ist er am Ende seines Weges angelangt und muss komplett umdenken? Als Beleg für einen notwendigen Strukturwandel taugt das Finale nicht. Aber immer nur Zweiter zu werden in allen Wettbewerben, ist für den FC Bayern München auch kein Maß. Nur der Beleg für ein abermaliges Scheitern.

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