Sport : Kunstspringen: Lindner springt in eine Traumwelt

Nach Bronze löste sich bei Dörte Lindner die ganze Anspannung in Tränen der Freude. "Das Finale wurde zu 80 Prozent im Kopf entschieden. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen", sagte die Kunstspringerin aus Rostock, die vom Dreimeterbrett ihren bislang größten Erfolg feierte. Der Olympiasieg ging vor 12 000 Zuschauern im Aquatic Centre wie erwartet an Superstar Mingxia Fu (609,42) vor Jingjing Guo (beide Cina/597,81). "Die Chinesinnen springen in einer anderen Welt. Sie fangen früher an und trainieren länger, das ist nur schwer aufzuholen", meinte Dörte Lindner respektvoll.

Bei der Siegerehrung strahlte Dörte Lindner mit der deutschen Flagge in der Hand. Für den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) errang die Diplom-Journalistin, die in den USA Marketing und Publizistik studiert hatte, im insgesamt siebten Wettbewerb der Kunst- und Turmspringer die zweite Medaille.

Nach ihren 574,35 Punkten waren die Blicke der Rostockerin, die im Mai in Los Angeles ihr Examen gemacht hatte, noch ungläubig auf die Anzeigentafel gegangen, aber Welt- und Europameisterin Julia Pachalina aus Russland (570,41) holte sie nicht mehr ein.

"Ich bin begeistert, ein riesiger Wettkampf von ihr. In diesem Weltklassefeld kann man sich keinen Fehler erlauben, aber Dörte ist cool geblieben", erklärte Bundestrainerin Ursula Klinger. Die erste Bronzemedaille für die deutsche Mannschaft hatten die Dresdner Jan Hempel und Heiko Meyer im Synchronspringen vom Turm geholt.

Dörte Lindner (26) geht nach den Spielen in die USA zurück, setzt ihre Karriere aber fort: "Bei den Weltmeisterschaften 2001 will ich dabei sein." DSV-Präsident Rüdiger Tretow lobte: "Eine Spitzenleistung. Dörte kann sich auf den Punkt konzentrieren."

Das Aquatic Centre erweist sich für die chinesischen Kunst- und Turmspringer als Goldgrube. Am Morgen hatte Ni Xiong mit Partner Hailiang Xiao im Synchron-Wettbewerb vom Dreimeterbrett ebenso überlegen Gold geholt wie Na Li und Partnerin Xue Sang im Synchronspringen vom Turm.

Glück im Unglück hatte Conny Schmalfuß im Vorkampf. Die Berlinerin war bei einem zweieinhalbfachen Auerbach-Salto vom Dreimeterbrett nach verunglücktem Absprung mit dem Rücken auf dem Wasser aufgeschlagen. Ursula Klinger hatte die Vize-Europameisterin im Synchronspringen von Helsinki daraufhin aus dem Wettbewerb genommen. Sie wolltekein Risiko eingehen. "Aber inzwischen", sagte Klinger später, "ist sie wieder okay."

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