Sport : Kunststoff köpft nicht

Die Maske stört Herthas Stürmer Rafael – aber er will spielen

Klaus Rocca

Berlin. Die Kleinsten aus dem Kindergarten standen am Rande des Trainingsplatzes und schwenkten eifrig Hertha-Fähnchen. Als Nando Rafael nach Übungsschluss vom Platz ging, hielten sie Abstand. Zu unheimlich sah der Stürmer mit seiner Maske aus, die dafür sorgen soll, dass das beim Spiel am Gladbacher Bökelberg gebrochene Jochbein bei Belastung möglichst wenig beansprucht wird. Und so trägt er sie, die Maske, beim Training. Und vielleicht auch am Sonntag beim Fußball-Bundesligaspiel in Gelsenkirchen. „Damit jagen wir den Schalkern schon mal einen gehörigen Schreck ein“, ulkte Hans Meyer, Rafaels Trainer bei Hertha BSC.

Als der Angolaner gestern Richtung Kabine ging, nach dem ersten Training mit dem Ball, wirkte er nicht gerade glücklich. „Die Maske behindert mich doch ganz erheblich“, gestand er. „Es ist unheimlich warm darunter, und der Schweiß läuft an der Seite raus.“ Ob er im Zweikampf mit einem Mitspieler Angst habe, voll zur Sache zu gehen, wurde der Angolaner gefragt. „Natürlich bin ich da noch ein bisschen gehemmt. Aber das größte Problem ist das Kopfballspiel.“

Das sieht auch Hans Meyer so. „Man hat doch gesehen, dass Nando kein einziges Mal geköpft hat“, sagte er. Da irrte Meyer. Ein-, zweimal hatte er es versucht, wenn auch sichtlich vorsichtig. „Es ist schon ein seltsames Gefühl. Aber ich muss es ja probieren“, fand der 20-Jährige. Als seine Mannschaftskollegen im Rückwärtslauf kräftiges Kopfballspiel demonstrieren sollten, warf ihm Kotrainer Andreas Thom den Ball sicherheitshalber nur auf den Fuß.

Ob Rafael, der am vergangenen Samstag im Spiel gegen Kaiserslautern zwangspausierte, am Sonntag wirklich spielen kann, werden die nächsten Trainingstage zeigen. „Er muss hundertprozentig fit sein, sonst macht es keinen Sinn“, sagte Meyer. Wobei sich die Frage stellt, ob jemand mit einem nicht ausgeheilten Jochbeinbruch hundertprozentig fit sein kann. „Er wird die Maske noch dreieinhalb bis vier Wochen tragen müssen“, sagte Ulrich Schleicher, der Mannschaftsarzt. Dabei hoffen alle, dass die Spezialmaske aus besonders hartem und extrem leichten Kunststoff den Heilungsprozess nicht behindert. Schließlich hat Trainer Meyer das Problem, dass ihm mit Fredi Bobic, der nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt ist, schon ein Stürmer ausfällt. Ginge es auch mit Rafael noch nicht, müsste er den gegen die Lauterer erstmals erfolgreichen Artur Wichniarek als einzige Sturmspitze aufbieten. Was in einem Auswärtsspiel sicher nicht so abwegig wäre.

Nando Rafael macht sich dennoch Hoffnungen, dass er spielen kann. Trotzdem sagt er vorsichtig: „Ich warte erst mal ab. Mir wäre schon sehr geholfen, wenn ich beim Radfahren und Essen keine Schmerzen mehr hätte.“ Dass gestern nur einmal Training auf dem Programm stand, schien ihm zu behagen. Im Einsatz war er für Hertha trotzdem. Nachmittags stand er als einziger aktueller Hertha-Profi den jungen Leuten, die in einem Hangar am Flughafen Tempelhof die Ausbildung als Sport- und Fitnesskaufmann absolvieren, Rede und Antwort. Und am Abend war er im Spielertross bei der Führung durch das Kanzleramt dabei. Ohne Maske.

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