Sport : Kurios gewonnen

Erst 3:0, dann noch 4:3 – Werder besiegt Udinese

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Die Nacht vor dem wichtigen Spiel war unruhig im Hause Klasnic. Der Stürmer des SV Werder Bremen schlief schlecht. Nun war Udinese Calcio, Dreizehnter der italienischen Liga, kein so Furcht erregender Gegner, dass er einem erfahrenen Spieler wie Ivan Klasnic schlaflose Nächte bereiten müsste. Der Grund für die durchwachte Nacht war ein anderer. Eine Blinddarmreizung machte dem Bremer zu schaffen, weshalb er sich während des Spiels dann auch nicht im gegnerischen Strafraum, sondern im Krankenhaus aufhielt. Er verpasste eines der verrücktesten Spiele in der an verrückten Spielen gewiss nicht armen WerderGeschichte. Werder siegte nach turbulentem Spielverlauf 4:3 (2:0).

Die Spaß bremsende Defensivtaktik, die Udines Trainer Serse Cosmi schon vor dem Spiel mit dem Hinweis angekündigt hatte, gegen Werder könne man gar nicht anders spielen, war spätestens nach 25 Minuten überholt. Zu diesem Zeitpunkt führte Werder schon 2:0, und die Italiener mussten gezwungenermaßen auch ein wenig nach vorne spielen. Bei den beiden ersten Treffern war der noch verbliebene Bremer Torgarant entscheidend beteiligt. Das 1:0 erzielte der in der ersten Halbzeit überragende Miroslav Klose per Kopf selbst, danach bereitete er für Nelson Valdez vor, der den Ball zum Torschützen Frank Baumann weiterleitete.

Es schien ein Abend zu werden, an dem Werder sich den schönen Dingen des Fußballs widmen konnte. Die Bremer Offensive zeigte endlich auch auf europäischer Ebene, wofür sie in Deutschland zurzeit besonders geschätzt wird: Tore schießen. Kurz nach dem Seitenwechsel köpfte Johan Micoud zum 3:0 ein. Die Fans der Bremer und offenbar auch die Mannschaft feierten schon jetzt den Sieg.

Doch dann geschahen merkwürdige Dinge vor 35 424 Zuschauern im Weserstadion: Innerhalb von sieben Minuten wurde aus dem 3:0 ein 3:3. Erst ließ Torhüter Andreas Reinke einen Schuss von di Natale durchrutschen. Dann traf wiederum di Natale zum 2:3. Und schließlich waren es die Bremer selbst, die in Person von Christian Schulz den Ball ins eigene Tor lenkten.

Es wäre jedoch kein Europapokalspiel des SV Werder gewesen, wenn es damit schon getan gewesen wäre. Denn die Mannschaft kam noch einmal zurück ins Spiel. Micoud traf nach Freistoßflanke von Frings per Kopf zum 4:3. Beide Mannschaften spielten nun bar jedes taktischen Konzepts. Eine Torchance folgte der nächsten. Zumal die Italiener in den letzten zwanzig Minuten noch ohne den des Feldes verwiesenen Pinzi auskommen mussten. Schließlich blieb es aber doch bei diesem kuriosen 4:3-Sieg, dem ganz unabhängig vom spektakulären Spielverlauf eine ganz banale Erkenntnis folgte. Punktgleich mit Athen und Udine steht Werder Bremen hinter dem schon qualifizierten FC Barcelona. Und hat auf einmal wieder alle Chancen, das Achtelfinale zu erreichen.

Das dürfte auch die Schmerzen des Ivan Klasnic am Ende ein wenig gelindert haben. Falls sie dem prominenten Patienten jedoch einen Fernseher ins Krankenzimmer gestellt haben, wird der Spielverlauf der Heilung nicht gerade förderlich gewesen sein.

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