Sport : Kuriose Belohnung, die Berliner Basketballer dürfen Fußball spielen

Benedikt Voigt

Wer am Freitag an der Max-Schmeling-Halle vorbeikam, dem bot sich ein kurioses Bild: Patrick Femerling etwa, der filigran über einen Ball steigt - soweit das mit 2,15 Metern Länge geht -, oder Ademola Okulaja, der wie gewohnt spektakulär verwandelt - per Volleyschuss. Es war nämlich so: Die Basketballer von Alba Berlin übten sich in einer ungewohnten Sportart, weil Trainer Svetislav Pesic ihnen versprochen hatte: "Wenn ihr gegen Moskau gewinnt, spielen wir im Training Fußball."

Pesic musste die Tore rausholen. Er dürfte es gern getan haben, denn Alba Berlin erreichte gleichzeitig mit dem 81:76-Erfolg vor 7611 Zuschauern über ZSKA Moskau das erste Teilziel dieser Saison, die Play-offs der Europaliga. "Eine tolle Leistung von unserer Mannschaft", lobte der Trainer, "wenn ich Geld hätte, würde ich der Mannschaft heute eine zusätzliche Prämie geben." Doch um die Finanzen seiner Akteure muss er sich keine Sorgen machen, zumal Alba für die erfolgreiche Play-off-Qualifikation ohnehin eine Sonderprämie zahlt.

Auch Bundestrainer Henrik Dettmann kümmerte sich ums Geld. "Wenn ich ein Investor wäre, würde ich hier in Basketball investieren", sagte der Finne nach dem begeisternden Spiel gegen Moskau. Seine Nationalspieler Patrick Femerling, Ademola Okulaja und Vladimir Bogojevic hatten eine überzeugende Leistung geboten, wenngleich Albas US-Amerikaner Wendell Alexis (19 Punkte) und Terry Dehere (23 Punkte) sich in der Offensive in den Vordergrund spielten. Gewonnen hat Alba Berlin allerdings einmal mehr über die Defensive. Speziell in der zweiten Halbzeit hatte Moskau Probleme, sich gegen die abwechselnd Mann- oder Zonenverteidigung der Berliner durchzusetzen. Terry Dehere bekam in den zweiten 20 Minuten den ehemaligen Alba-Aufbauspieler Wassili Karassew besser in den Griff, weshalb er von Pesic das Sonderlob "sehr gut" erhielt. "Jetzt müssen wir uns in Ruhe neue Ziele setzen", erklärte Pesic. Dettmann ist da schon weiter, er sagte: "Ich kann etwas riechen."

Nur was? Noch ist nicht klar, ob Alba Berlin auf Platz drei oder vier der Gruppe E in die Play-offs einziehen wird. Ein Sieg beim FC Barcelona am letzten Spieltag der Zwischenrunde würde den dritten Platz sichern, doch womöglich wäre Rang vier sogar besser. Zum einen wegen der möglichen Gegner in der Gruppe H. Der Tabellenzweite PAF Bologna ist dem Tabellenführer Efes Istanbul mindestens gleichwertig. Zum anderen wegen des Europaligamodus. Setzt sich in den maximal drei Spielen des Achtelfinales der Vierte gegen den Ersten durch, so erbt er im Viertelfinale das wichtige Heimrecht.

Auf solche Rechnereien will sich der Trainer nicht einlassen. "Hauptsache Play-offs", sagte Pesic, "jetzt haben wir keinen Wunschkandidaten." Nachdem sich in den letzten Tagen die Öffentlichkeit auf Zugang Terry Dehere konzentrierte, legte der Trainer in der Pressekonferenz den Journalisten die Entwicklung der ganzen Mannschaft ans Herz. "Auch Wendell Alexis kann sich noch verbessern." Das sei jetzt auch das Ziel für die gesamte Mannschaft, sich weiter zu entwickeln. Wohin führt das in dieser Saison? Bundestrainer Dettmann sagt: "Es gibt viele Mannschaften, die die Europaliga in dieser Saison gewinnen können - und Alba ist eine von ihnen."

Einziges Sorgenkind ist gegenwärtig Ademola Okulaja, den ein schmerzhafter Kapselriss am rechten Daumen beim Werfen und Passen behindert. "Die Verletzung macht ihn praktisch kaputt", erzählt Pesic. In den nächsten Tagen brauche Okulaja sieben bis zehn Tage Urlaub. Und der Trainer erklärt mit einem Grinsen: "Deshalb spiele ich im Training Fußball." Da braucht man keinen Daumen.

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