Sport : Kurz nach Mitternacht in Kaunas

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Flughafen Kaunas, Litauen. Kurz nach Mitternacht. Kaltes Licht. Es gibt nicht viele Orte, die so wenig kuschelig sind. Wir sitzen im Flugzeug. Bloß gut. Draußen haben die Leute vom Flughafenpersonal und litauischen Militär das Flugzeug umzingelt. So, als wollten sie es am Abheben hindern. Stimmt. Was ist los? Wir sollten schon lange in der Luft sein. Vorn in der Condor-Maschine schwitzen die deutschen Nationalspieler, hinten die Journalisten. Keiner weiß etwas. 40 Minuten lang nicht. Dann eine erste Ansage aus dem Cockpit. „Es gibt da ein Problem mit der Bezahlung des Benzins.“ Wie bitte?

Vorn steht der Spieler Jancker auf und schüttelt seinen kahlen Schädel. Hinten kramen die Leute vom Fernsehen ihre Kameras wieder aus. Das Spiel ist längst vorbei und gewonnen. Was wollen die Litauer noch? Eine Verlängerung, ruft einer.

Nachdem der Reiseveranstalter am späten Samstagnachmittag 8000 Euro in bar für diverse Dienstleistungen am Flughafen Kaunas bezahlt hatte, werden jetzt noch einmal 5000 Euro für den Treibstoff verlangt. Pilot und Kopilot wollen die Kerosin-Rechnung mit einer dafür üblichen Kreditkarte begleichen. Das Lesegerät spinnt, akzeptiert nicht eine von vieren. Jetzt kommen die privaten Kreditkarten des Piloten und seines Kopiloten ran. Alles zwecklos. Langsam wird es eng.

Vorn im Flugzeug wird gelästert, hinten denkt man darüber nach, einen Hut rumgehen zu lassen. An Bord wird Wasser ausgeschenkt, belgisches. Die Maschine kommt aus Brüssel. Wer will, kriegt Bier. Prost! Köln/Bonn kann warten. Oder? Die neunte Kreditkarte wird akzeptiert. Ein ortansässiger Condor-Agent hatte sie zufällig dabei. miro

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