Sport : Kurzer Weg nach Athen

Volleyball-Teams im Halbfinale der Olympia-Qualifikation

Karsten Doneck

Leipzig. Die Spieler hatten im Hotel auf ihren Betten gelegen und ferngesehen. Genau die richtige Entspannung vor einem wichtigen Spiel am Abend. Doch was da über den Bildschirm flimmerte, erhöhte bei so manchem deutschen Volleyball-Nationalspieler eher die Pulsfrequenz wie vor einem viel versprechenden Schmetterball. Im TV lief nämlich gerade Bulgarien in der Olympia-Qualifikation der Volleyballer gegen Polen zu ungeahnt großer Form auf. Und weil die Bulgaren die favorisierten Polen 3:0 bezwangen, brach in den Hotelzimmern der deutschen Spieler kurz nach vier Uhr nachmittags kräftiger Jubel aus. Dank des bulgarischen Kraftaktes stand Deutschland bei der Olympia-Qualifikation in Leipzig vorzeitig als Gruppenzweiter fest – und damit im Halbfinale. Stunden zuvor hatten in Baku auch die deutschen Volleyballerinnen gejubelt. Nach dem 3:2 gegen Russland stehen sie ebenfalls im Halbfinale der Olympia-Qualifikation und haben es heute (13.30 Uhr, live auf Eurosport) mit Weltmeister Italien zu tun.

Dass die deutschen Männer am Abend in Leipzig ihr letztes Gruppenspiel gegen Russland mit 0:3 (23:25, 17:25, 28:30) verloren, war nicht gar so tragisch und ohnehin eher schon als Übungseinheit zu betrachten für das Halbfinale heute (20 Uhr, Eurosport) gegen die Niederlande. Die Gastgeber waren eifrig und engagiert, der Kontrahent routiniert und kaltschnäuzig in den entscheidenden Phasen. Unter den Augen von Bundesinnenminister Otto Schily in fast ausverkaufter Halle waren die Deutschen im ersten Satz bei einer 16:12-Führung einem Satzgewinn nahe, doch dann kam das, was Werner von Moltke immer wieder bemängelt. „Es fehlt oft an Kleinigkeiten“, pflegt der DVV-Präsident zur Nationalmannschaft stets zu sagen.

Das Vordringen unter die letzten vier war für die Männer ein sportlich äußerst asketischer Akt. Dafür reichte nämlich ein einziger Sieg in drei Spielen, und zwar das klare 3:0 gegen Bulgarien. Alles Weitere fiel in den Kompetenzbereich der Mathematiker, denn mit Bulgarien und Polen waren noch zwei weitere Mannschaften punktgleich.

Inzwischen zeichnet sich ab, dass Stelian Moculescu auch nach der Olympia-Qualifikation Bundestrainer bleiben wird. „Er hat nichts verkehrt gemacht“, sagt von Moltke. Und: „Ich würde immer versuchen, ihn zu halten, notfalls auch als Berater oder Beobachter.“ Moculescu hatte seinen Vertrag als Honorartrainer des DVV nach der EM in Deutschland per Handschlag zunächst nur bis zum Ende des Olympia-Qualifikationsturniers verlängert. Der Bundestrainer verlangt für die Nationalmannschaft mehr hochwertige internationale Vergleiche. Dem Mann soll auch da geholfen werden. Von Moltke kündigt an: „Es laufen Gespräche, um eine Europaliga zu gründen.“

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