Sport : Kurzer Zauber

Die Brasilianer besiegen die Kroaten im Olympiastadion 1:0 und glänzen nur in wenigen Momenten

Robert Ide

Berlin – Als es endlich geschafft war, rannte die Mannschaft der Einzelkünstler erleichtert zusammen und tanzte ausgelassen an der Eckfahne. Fast die ganze erste Halbzeit war vergangen, als Kaka dem seltsam schmucklosen Anrennen seines brasilianischen Weltmeisterteams im Vorrundenspiel gegen Kroatien ein Ende setzte. Mit einem Schuss aus 18 Metern brachte der Star des AC Mailand seine Mannschaft in Führung. Der unumstrittene, aber am Dienstag noch nicht überzeugende WM-Favorit ließ sich den Vorsprung von den aufopferungsvoll kämpfenden Kroaten nicht mehr nehmen und siegte 1:0 (1:0). 66 021 Zuschauer im ausverkauften und auch voll besetzten Olympiastadion, unter ihnen Bundeskanzlerin Angela Merkel, erlebten eine atmosphärisch begeisternde WM-Premiere in der Finalarena in Berlin. Mit dem Auftakt in der Hauptstadt hat die WM nun in allen zwölf Stadien ohne Probleme und mit viel guter Laune Station gemacht.

Für die Kroaten war das Gegentor der zweite Tiefschlag innerhalb weniger Minuten. Kurz zuvor musste Kapitän Niko Kovac verletzt den Platz verlassen. Der langjährige Mittelfeldspieler von Hertha BSC, der von der kommenden Saison an für Red Bull Salzburg spielt, musste nach einem Foul von Ze Roberto ausgewechselt werden. Nach einem Laufduell mit Adriano war Kovac zuvor schon unglücklich gefallen und benommen liegen geblieben. Der 34-Jährige leidet immer wieder an Rückenproblemen und ließ sich deshalb von Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt behandeln. Unglücklich für die Kroaten war, dass sie in dieser Phase gerade ins Spiel gefunden hatten.

Für Brasilien hatte Trainer Carlos Alberto Parreira die Bestformation aufgeboten. Die Fans feierten schon bei der Ansage der Mannschaftsaufstellungen die Weltklassespieler des so genannten magischen Quartetts im Mittelfeld: Ronaldinho, Kaka, Adriano und Ronaldo. Die Offensivkünstler hatten zuletzt im Oktober vergangenen Jahres im WM-Qualifikationsspiel gegen Venezuela (3:0) gemeinsam begeistert. Doch diesmal taten sich die Stars schwer. Ronaldinho wusste zwar durchaus mit dem Ball vorzutanzen, bei einem Schuss von ihm musste sich Kroatiens Torwart Stipe Pletikosa strecken. Doch besonders Ronaldo, dessen Körpergewicht wochenlang die Öffentlichkeit beschäftigt hatte, wirkte schwerfällig und nervös. Mehrmals lief er nicht rechtzeitig aus der Abseitsstellung heraus oder fiel durch unpräzise Flanken auf. So musste sich das Starteam mit Distanzschüssen behelfen. Roberto Carlos und Kaka scheiterten zunächst knapp, bevor Kaka seinen zweiten Versuch mit Wucht ins Netz setzte.

In einer zweiten Halbzeit mit wenigen sportlichen Höhepunkten nahm sich Ronaldo ein Beispiel, sein 20-Meter-Schuss ging knapp über das Tor. Wenig später wurde er gegen den jungen Robinho ausgewechselt. Fast einzig Ronaldinho wagte sich noch gefährlich in den Strafraum der Kroaten, scheiterte aber mit einem Kopfball an Torhüter Pletikosa.

Kroatiens Trainer Zlatko Kranjcar hatte sein Mittelfeld vorsichtiger als gewohnt aufgestellt, vor der Viererkette ließ er die Abwehr durch zwei defensive Mittelfeldspieler absichern. Mit der Bewachung von Ronaldinho war vorrangig der robuste Darijo Srna von Schachtjor Donezk beschäftigt. Mit zunehmender Spieldauer verlor der Außenseiter den Respekt und konnte mit Kontern und hohen Bällen gefallen. Eine Flanke von Srna verpassten Igor Tudor und Niko Kovac knapp. Nach der Pause warfen die Kroaten alle Kräfte nach vorn, doch bei sommerlichen Temperaturen verfehlten viele Zuspiele in die Spitze ihr Ziel. Nach einem Pass des eingewechselten Ivica Olic musste Verteidiger Juan im brasilianischen Fünf-Meter-Raum retten. Lautstark feierten die kroatischen Fans den Kampf ihres Teams. Für Begeisterung bei den Zuschauern sorgte auch ein kroatischer Flitzer, der auf das Feld rannte.

Als es endlich gänzlich geschafft war, ballte Trainer Parreira erleichtert die Fäuste. Die Mannschaft der Einzelkünstler hatte sich einen knappen, aber umjubelten Auftaktsieg erarbeitet.

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