Sport : Kurzmeldungen

Peter Scheib

DIE WEINE DES MONATS

Eine der Lebenslügen des ökologischen Weinbaus ist der Umgang mit dem Mehltau. Er muss bekämpft werden, sonst gibt es keinen Ertrag. Konventionell arbeitende Winzer machen das mit synthetischen Spritzmitteln, Öko-Winzer nutzen Kupfer- und Schwefelpräparate, die als natürlich gelten - eine reine Fiktion. Denn sie reichern sich im Boden an und entfalten dort Nebenwirkungen, die schlechter kontrollierbar sind als bei abbaubaren synthetischen Substanzen. Einen Ausweg sehen viele Öko-Winzer in den neuen Rebsorten, die als pilzresistent gelten und so zwar keinen Verzicht, aber doch einen deutlich geringeren Einsatz von Kupfer und Schwefel erlauben. Der rote „Regent“ ist schon weitgehend etabliert, der weiße „Johanniter" im Kommen. Die Sorte, eine Züchtung aus Riesling auf der einen und einer komplexen Vaterrebe aus Grauburgunder und Gutedel auf der anderen Seite ist erst seit 2000 zugelassen. Doch bei einer vergleichenden Blindverkostung von 40 Johannitern gegen 40 Standardreben konnte sie kürzlich einen überraschenden Punktsieg verbuchen. Der Markgräfler Ecovin-Winzer Wilhelm Zähringer hat die Reben als einer der ersten gesetzt, und er beweist damit den richtigen Riecher. Sein 2002er Heitersheimer Maltesergarten Johanniter trocken ist ein leichter, sommerlicher Wein, der die Verwandtschaft zum Riesling vor allem in seiner erfrischenden Säure deutlich erkennen lässt. In der Nase helle Früchte und Akazienblüten, am Gaumen Apfel, Quitte, Zitrusfrüchte, schlank, aber dennoch mit Substanz - solche Öko-Weine überwinden die Ideologiegrenze locker. Die Flasche kostet 6,95 € bei Lindenberg-Feinkost in der Morsestr.2 in Charlottenburg.

Manch deutscher Weißweinwinzer hat gerade erst entdeckt, dass die lange Lagerung eines Weins auf der Feinhefe besonders intensive Aromen bringt. Die Methode kostet freilich Zeit und damit Geld auf einem Markt, der immer nur nach dem jüngsten und vermeintlich frischsten Wein verlangt. Dabei stammt sie aus dem 16.Jahrhundert und wurde von den Winzern an der Loire erfunden; sie ließen ihr bestes Fass über den Winter im Keller und zogen den Inhalt erst im Frühjahr von der Hefe ab. „Sur lie" heißt das in Frankreich, und wenn es auf einer Muscadet-Flasche steht, verspricht es stets gehobene Qualität. Doch erlaubt ist die Bezeichnung nur auf 0,75-Liter-Flaschen - ein Ärgernis für den Berliner Weinhändler Gerard Degouy, der seinen Kunden gehobenen Muscadet gern preisgünstiger anbieten möchte. Deshalb ließ er auf der Domaine du Vieux Chai eine Sur-lie-Qualität als einfachen Muscadet in die Literflasche abfüllen. Der Charakter der Rebsorte Melon, die keine großen, aber frische und charmante Weine erbringt, kommt gut zur Geltung, kein Gedanke an den simplen, oft einfach nur säuerlichen Standard-Muscadet, der aus dem deutschen Handel zu Recht verschwunden ist. Dieser natürlich knackig durchgegorene Wein verlangt mit seiner sanft maritimen Salznote geradezu nach Austern und anderen Meeresfrüchten, hat genug Substanz für Geflügelgerichte und erfreut auch als unbegleiteter Solist für größere Runden. Die Literflasche vom 2001er kostet 5,50 € in der Weinhandlung La Cave du Bacchus in der Westfälischen Straße 33 in Halensee.

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