Sport : Kuschelnde Rivalen

Vor dem WM-Teamfinale herrscht unverhofft Einigkeit zwischen Fabian Hambüchen und Philipp Boy

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Eine Frage der Haltung. Fabian Hambüchen kann sein Comeback nach einer Verletzung nun mit einer Medaille krönen. Foto: dapd
Eine Frage der Haltung. Fabian Hambüchen kann sein Comeback nach einer Verletzung nun mit einer Medaille krönen. Foto: dapdFoto: dapd

Berlin - Wer der beste deutsche Turner ist, darum wird weiter gestritten, aber an diesem Mittwoch müssen die großen Konkurrenten erst einmal zusammenhalten. Die deutsche Männerriege will in Tokio zum dritten Mal hintereinander bei einer Weltmeisterschaft eine Medaille gewinnen. Ob nun Philipp Boy besser turnt als Fabian Hambüchen, spielt dabei keine Rolle. Darf es auch nicht.

Die ersten beiden Medaillenplätze scheinen bei dieser WM in der Mannschaft vergeben, an Japan und China. Doch der dritte Platz ist hart umkämpft. Die Erwartungen innerhalb der deutschen Mannschaft sind insgesamt auf drei Turner verteilt, denn Hambüchen, Boy und Marcel Nguyen starten jeweils an fünf von sechs Geräten. Dieses Trio wird noch ergänzt von Thomas Taranu an den Ringen sowie Eugen Spiridonov und Sebastian Krimmer am Seitpferd.

Über einen längeren Zeitraum hatte sich die Aufmerksamkeit ganz auf Hambüchen konzentriert. Dann hatte sich der junge Turnstar und Autobiograf an der Achillessehne verletzt. In seiner Abwesenheit turnte sich Philipp Boy nach vorne und gewann bei der WM 2010 in Rotterdam die Silbermedaille im Mehrkampf; Vizekönig des Turnens war er jetzt. Und auch ein dritter Turner kam groß raus: Marcel Nguyen griff sich bei der Europameisterschaft in diesem Jahr in Berlin den Titel am Barren.

Bei dieser WM sind nun alle drei dabei und vergrößern die Chancen der deutschen Mannschaft. Dass zwischenzeitlich Boy und Hambüchen gegeneinander stichelten, scheint gerade vergessen. Vor der WM sprachen sich alle miteinander aus. „Wir sind ein total cooles Team und verstehen uns super. Egal, wer in den Einzelwettbewerben vorne ist, da wird es kein böses Wort geben“, sagt Philipp Boy.

Mit dieser Einstellung haben sie sich souverän die Olympiateilnahme mit der Mannschaft erturnt, als sie auf Platz vier ins Teamfinale einzogen. Für das Mehrkampffinale dieser WM haben sich jedoch nur zwei deutsche Turner qualifiziert. Boy und Nguyen. Hambüchen dagegen verpasste das Finale. Boy wurde in der Qualifikation Siebter, Nguyen Zehnter, Hambüchen landete nur auf Platz 18. Auch hier fällt das Duell zwischen dem Hessen Hambüchen und dem Brandenburger Boy also aus.

Der Zweikampf wird dafür am Schlusstag der WM in Tokio stattfinden, am Königsgerät des Turnens. Denn für das Einzelfinale am Reck haben sich sowohl Hambüchen als auch Boy qualifiziert. Bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr in Rotterdam hatte Hambüchen die alte Ordnung noch behaupten können. Er wurde Dritter, Boy direkt dahinter Vierter. Doch der derzeit bessere Turner ist Boy, das hat der Mehrkampf gezeigt. Hambüchen könnte immerhin noch der beste Spezialist werden.

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