Sport : KVC Westerlo: Seltsam und bescheiden

Manfred Schulz

So eine kleine Gemeindeverwaltung, die kann ganz schön störrisch sein. Im belgischen Westerlo jedenfalls hat der Gemeinderat nicht viel mit prominenten Mitbürgern am Hut. Nach seinem Willen soll Jan Ceulemans, Einwohner von Westerlo und in den siebziger Jahren einer der besten Fußballer Europas, nicht zum Ehrenbürger der "gemeente Westerlo" ernannt werden. "Wir wissen nicht unbedingt, ob Ceulemans sich selbst den Titel zutraut", hieß es zur Begründung aus dem Gemeinderat. Der 44-Jährige gilt einfach als zu bescheiden für den Posten.

Nun ist es aber so, dass Ceulemans inzwischen Trainer des ortsansässigen belgischen Erstligisten KVC Westerlo ist. Immerhin hat er mit dem Verein den belgischen Pokal gewonnen. Außerdem gilt Westerlo inzwischen als der seltsamste Klub der gesamten Liga. Denn seit dem Rückzug von Mäzen und Vereinschef René Gijbels fehlt ein Patron an der Spitze. Eine Ausnahme im belgischen Fußball.

Ceulemans musste zaubern, um nach der Abgabe von Spielmacher Lukas Zelenka an Sparta Prag wieder eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen. Nach zuletzt drei Niederlagen folgte ein glatter 6:0-Erfolg gegen Lommelse BK, rechtzeitig vor dem Uefa-Cup-Spiel gegen Hertha BSC (Donnerstag, 20 Uhr 30, live in der ARD). Ceulemans ist als Trainer Kummer gewohnt. Nach fünf Jahren Arbeit beim derzeitigen Spitzenreiter Eendracht Aalst wurde er 1997 entlassen. Er stieg eine Spielklasse hinunter und trainierte den Zweitligisten Ingelmunster. Vor zwei Jahren kam Ceulemans nach Westerlo.

Als Spieler war er da schon erfolgreicher: mehrmals Belgischer Meister, 96 Länderspiele, Teilnehmer an zwei Europa- und drei Weltmeisterschaften. Höhepunkt: sein Auftritt als belgischer Kapitän beim Turnier 1984 in Mexiko, die Mannschaft wurde Vierter. Hinzu kamen dreimal der "Goldene Schuh" für den besten belgischen Fußballer, dreimal die Auszeichnung als "Profifußballer des Jahres". Ceulemans freute sich darüber. Aber bescheiden blieb er trotzdem. Ins Ausland wollte er nie. "Ich hätte nach Mailand oder Rom wechseln können. Aber ich fühle mich in Belgien einfach wohl."

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