Sport : Labbadia rechnet ab

Der Trainer des Hamburger SV fühlt sich durch den Erfolg in der Europa League bei Standard Lüttich bestätigt

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Der Mann dahinter. Bruno Labbadia applaudiert seinem Team – und sich selbst. Foto: dpadpa

Lüttich - Wie ein Sieger hörte sich Bruno Labbadia nicht unbedingt an. Eher wie jemand, der noch eine wichtige Rechnung zu begleichen hat. „Ich weiß gar nicht, ob es jemand merkt, dass die größte Krisenmannschaft Deutschlands im Halbfinale steht“, sagte der Trainer des Hamburger SV, nachdem seine Mannschaft gerade das Viertelfinale der Europa League 3:1 beim Belgischen Meister Standard Lüttich gewonnen hatte. „In Hamburg herrscht eine Stimmung wie beim Tabellen-18.“ Bruno Labbadia nutzte die günstige Gelegenheit zur Abrechnung mit seinen Kritikern. Und von denen hat er im Moment eine ganze Menge.

Nach dem verdienten Erfolg in Lüttich fühlte sich Labbadia in seiner Arbeit bestätigt. „Ich stand letztes Jahr mit Leverkusen im DFB-Pokalfinale, jetzt mit dem HSV im Europa-League-Halbfinale“, sagte er. „Das Wichtigste ist, sich von den negativen Schlagzeilen nicht beeinflussen zu lassen und als Trainer voranzugehen. Ich war sehr entspannt, auch wenn die Bewertung so war, als sei ich der Blindeste.“

Labbadias Vorgesetzter Bernd Hoffmann, der Vorstandsvorsitzende des HSV, wertete das Weiterkommen nicht nur als „Balsam für die geschädigten Seelen“, sondern auch als „Erfolg für den Trainer, als Riesenerfolg“. Die Chance, dass die Hamburger am 12. Mai vor eigenem Publikum das Finale der Europa League bestreiten dürfen, besteht weiterhin. Im Halbfinale treffen sie auf Wolfsburgs Bezwinger Fulham. Das drängendste Thema aber umschiffte Hoffmann in der Euphorie um ein mögliches Heimfinale: die brenzlige Situation um Labbadia, dessen Position wohl längst nicht so gefestigt ist, wie der sich das wünscht. Ein klares Bekenntnis zu dem 44 Jahre alten Trainer, der nicht mehr bei allen Teilen der Mannschaft Rückhalt findet, wollte Hoffmann nicht abgeben.

Gewinner des Abends war daher weniger Labbadia als Paolo Guerrero, der den beiden Toren von Mladen Petric in der Schlussminute das 3:1 folgen ließ und anschließend von den Fans gefeiert wurde. Der Peruaner will nun in einer mündlichen Verhandlung gegen die Fünf-Spiele- Sperre für seinen Flaschenwurf auf einen Fan vorgehen und für einen neuen Vertrag in Hamburg kämpfen. Bisher hatte er seinen Verbleib beim HSV von einer Erhöhung seines Gehalts auf mehr als vier Millionen Euro abhängig gemacht. Inzwischen schätzt er seinen Marktwert wohl etwas realistischer ein, zumindest indirekt: „Ich fühle mich im Verein und in der Stadt sehr wohl“, sagte Guerrero. „ Ich würde gern da bleiben, wo mich die Leute mögen.“ Und fügte hinzu: „Geld ist nicht alles im Leben.“ dpa

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