Sport : Lady Gaga in weiß

Mit gewagten Outfits testen immer mehr Spieler die strengen Mode-Regeln in Wimbledon aus

Petra Philippsen[London]
Squaw Bethanie? Bethanie Mattek-Sands liebt das Außergewöhnliche. Foto AFP
Squaw Bethanie? Bethanie Mattek-Sands liebt das Außergewöhnliche. Foto AFPFoto: AFP

Nur mit Mühe konnte sich Bethanie Mattek-Sands ihren Weg zu Court 14 bahnen, denn ein paar hundert Zuschauer drängten sich bereits dicht an dicht und versperrten so den Durchgang. Die meisten hatten ihre Kameras schon im Anschlag, doch ihre sportliche Neugierde hielt sich in Grenzen. Sie waren einzig gespannt darauf, in welchem Outfit sich die US-Amerikanerin wohl im All England Club präsentieren würde. Üblicherweise kleidet sich Mattek-Sands gewagt, provokant und flippig und sorgt damit für mehr Schlagzeilen als mit ihren Leistungen auf dem Platz – obwohl sie die Nummer 31 der Welt ist. Doch Mattek-Sands genießt ihre Auftritte und die Aufmerksamkeit. In Wimbledon stand sie allerdings vor einem Problem, denn ihre oft schrägen Kreationen passen so gar nicht zu den strengen Regeln des vornehmen Traditionsclubs.

Seit 1963 ist in den Statuten des All England Clubs fest verankert, dass jede Spielerin und jeder Spieler „hauptsächlich weiß“ zu tragen hat und andernfalls seine Disqualifikation riskiert. Für die Designer und Ausrüsterfirmen wird diese antiquierte Vorgabe immer mehr als Herausforderung gesehen, und so überbieten sie sich mittlerweile mit ausgefallenen Formen und Schnitten. Denn nur die Farbe ist genau genommen limitiert. Auch Mattek-Sands hielt sich an diese Regel, ihr Auftritt war dennoch spektakulär. Sie trug eine gefilzte Jacke von Alex Noble, der der Pop-Ikone Lady Gaga sonst die meist aufsehenerregenden Kleider schneidert. Es passte, trägt Mattek-Sands doch längst den Spitznamen „Lady Gaga des Tennis“. Und der Brite hatte auch ihre Bomber-Jacke mit etlichen halbierten Tennisbällen versehen und dazu Fransen im Westernstil angenäht. „Keine Sorge, ich spiele nicht damit“, rief Mattek-Sands Fotografen und Journalisten zu. Bei den US Open 2005 hatte sie mal eine hohe Geldstrafe zahlen müssen, weil sie während einer Partie einen Cowboy-Hut trug.

„Wimbledon ist ein historisches Event“, sagte Mattek-Sands, „jeder Spieler hier fühlt sich wie auf einer Zeitreise. Und dazu braucht es das richtige Outfit.“ Sie trug Kniestrümpfe wie ein Fußballer, dazu unter den Augen die schwarze Bemalung wie sie Football-Spieler verwenden und ein Leichtathletik-Oberteil mit einem langen Ärmel und einem kurzen, der ihre großflächigen Lilien-Tätowierungen freilegte. „So lange sie sich an die Regeln hält, ist es in Ordnung“, sagte ein Sprecher des Klubs, „natürlich ist da auch die Frage des Geschmacks, aber über den entscheiden wir nicht.“

Auch der ein oder andere Zuschauer in der Royal Box des Center Courts dürfte die Nase gerümpft haben über die fünfmalige Wimbledonsiegerin Venus Williams. Ihr knapper, einteiliger Jumper im Spitzenstoff ist sogar rückenfrei und flattert arg an den Schultern. „Retro ist sehr in“, sagte Williams. Roger Federer ist ebenso ein Retro-Fan und wählte daher einen schlichten Kaschmir-Pullunder, in der Hoffnung, er möge sich auf den Tennisplätzen wieder etablieren.

Der neuen Generation gefällt das besondere Wimbledon-Flair zwar auch, mit langweiliger Kleidung will sie sich jedoch nicht abfinden. Junge Spielerinnen wie Julia Görges versuchen daher, mit schrillem Nagellack ihre weißen Uniformen etwas aufzupeppen: „Mein grüner ist schon sehr begehrt, ich musste ihn ständig ausleihen.“ Auch bei Lackfarbe sind die Club-Regeln bisher noch gnädig.

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