Sport : Lächeln Sie doch mal nett

Benedikt Voigt

Im Grunde gibt es zwei Möglichkeiten, auf die Tennis-Anlage am Hundekehlesee zu kommen. Manche Leuten gelingt dies, indem sie die Telefonnummer 89 72 95 39 wählen und sich dann im netten Gespräch eine Karte sichern, die dann in Kategorien und Tage eingeteilt ist. Das Problem an dieser Methode ist, dass man dafür Geld bezahlen muss. Als Student oder Schüler 20 Mark pro Tag und aufwärts. Alle anderen zahlen sowieso mehr.

Die andere Möglichkeit ist, sich beruflich beim LTTC Rot-Weiß einzufinden, und das ist dann die erheblich billigere Version. Diejenigen, die sich für die zweite Möglichkeit entschieden haben - und das sind nicht wenige -, müssen allerdings noch eine Hürde überwinden, die der Tennisclub Rot-Weiß für diese Tennisfreunde aufgebaut hat: das Akkreditierungsbüro. Dort bekommen die Tennisgucker von Berufs wegen einen Plastikausweis ausgehändigt, auf dem dann der Name desjenigen steht, der Einlass begehrt und der Grund der Anwesenheit.

"Tagesspiegel" ist zum Beispiel einer dieser Gründe, um bei den German Open dabei zu sein. "Einsatzleiterin der Polizei" offensichtlich ein anderer. "Ich will, dass die Leute gleich erkennen, wer der Einsatzleiter ist", sagt die Dame von der Polizei. In voller Uniform reiht sich die blonde Polizistin in die Reihe der Akkreditierungswilligen. Auch für die Beamtin gilt: Hinsetzen, Foto machen, Ausweis abholen.

Selbst prominente Namen lässt das Akkreditierungsbüro nicht stutzen. "Meine Name ist Michael Karbacher", sagt der Herr hinter der Polizistin, "ich bin der Trainer von ..." Der Rest ist nicht mehr zu verstehen. Der Bruder des deutschen Tenniscracks Bernd Karbacher muss sich wie jeder andere erklären. "Karbacher mit C oder mit K" fragt der junge Mann hinter dem Computer. "Mit K" antwortet dieser und setzt sich dann auf den Stuhl, auf den eine Videokamera gerichtet ist. "Lächeln Sie doch mal nett", fordert ihn der junge Mann auf, und Michael Karbacher lächelt nett. Was tut man nicht alles für einen kostenfreien Besuch beim Tennis.

Auch Winfried will am Montag zum Tennis, allein es fehlt ihm noch die Karte. "Wo ist meine Karte", ruft er in das Akkreditierungsbüro hinein. Wie er denn heißt, will die Kollegin am Akkredierungsschalter wissen. "Winfried", sagt dieser. "Ein guter deutscher Name." Er solle doch zu Kasse 4 gehen, wird ihm daraufhin beschieden. Und Winfried, der Mann mit dem guten deutschen Namen, antwortet auf gut Deutsch: "Yes".

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