Sport : Lädierte Muskeln

Drei Nationalspieler von Alba verletzten sich seit der WM

Helen Ruwald

Berlin. Ob es eine zufällige Häufung ist oder mehr dahinter steckt, da will sich Albas Manager Carsten Kerner nicht festlegen. Auffällig ist es jedenfalls: Drei Nationalspieler des deutschen Basketballmeisters aus Berlin - Jörg Lütcke, Marko Pesic und Henrik Rödl - zogen sich in den letzten Wochen im Training einen Muskelfaserriss in der Wade zu. Sie hatten nach dem Gewinn von WM- Bronze in Indianapolis nur vier Tage Urlaub gehabt, ehe die Saisonvorbereitung begann. „Muskelfaserrisse hängen mit starker Belastung zusammen“, sagt Kerner.

Jörg Lütcke erwischte es am 9. Oktober vor dem Euroleague-Heimspiel gegen Efes Istanbul. Einen Monat später brach die Verletzung erneut auf, ehe er sich am Donnerstagabend - bei der 62:74-Niederlage in Istanbul - das rechte Knie verdrehte. Das Kreuzband ist verletzt, ob eine Operation nötig ist, steht noch nicht fest. Henrik Rödls Muskelfasern rissen vor dem Spiel gegen Pau-Orthez Mitte November, die von Marko Pesic am vergangenen Dienstag. Er fällt wie Lütcke für das Bundesligaspiel am Sonntag in Bamberg aus.

Für die Nationalmannschaft stellt Alba regelmäßig bis zu fünf Spieler ab. Auch in den letzten beiden Novemberwochen ruhte der Ligabetrieb. Mithat Demirel, Stefano Garris und Pesic qualifizierten sich für die EM, Lütcke und Rödl blieben verletzt in Berlin. Seit der Pause hat Alba nur noch verloren, in Bonn, Köln, Barcelona und Istanbul. Außer gegen Köln hätte Alba jede dieser Partien gewinnen können, doch in den letzten Minuten fehlten Kraft und Konzentration. „Wir hatten nicht genug Spieler, um zu rotieren“, sagt Trainer Emir Mutapcic.

Fünf Berliner stehen im vorläufigen Kader für die EM-Qualifikation gegen Kroatien und Mazedonien im Januar. Alba sieht es mit wenig Begeisterung und würde manch einen am liebsten nicht freigeben. Nach geschaffter EM-Qualifikation „steht der Verein im Vordergrund, wir müssen sehen, dass wir die Verletzten gesund kriegen“, sagt Kerner. Innerhalb des Weltverbands Fiba gebe es Diskussionen, die Länderspiele nicht mehr während der Saison,sondern nur noch in der Sommerpause spielen zu lassen. Eine Änderung, die Alba entgegenkäme.

Die Situation ähnelt zunehmend der von vor einem Jahr. Damals kämpften Rödl und Lütcke nach Operationen um Anschluss. Mithat Demirel hatte nach der EM Knieprobleme. Pesic, Garris und Derrick Phelps verletzten sich noch vor Weihnachten. Damals hieß der Langzeitverletzte George Zidek (Handbruch), nun heißt er DeJuan Collins (Fußbruch). Damals holte Alba den suspendierten Dejan Koturovic zurück, jetzt wurde John Celestand unter der Saison verpflichtet.

Vergangenes wie dieses Jahr startete Alba mit drei Niederlagen in die Euroleague und hatte nach dem ersten Rückrundenspiel drei Siege und fünf Niederlagen auf dem Konto. 2001 folgten in der Euroleague dann nur noch Niederlagen. „Letztes Jahr gab es einen anderen Modus“, sagt Kerner. Vier von acht Teams kamen weiter, jetzt sind es fünf von acht. Auch der beste Sechste der drei Gruppen qualifiziert sich für die Zwischenrunde. Alba ist Sechster, punktgleich mit den anderen Sechsten Maccabi Tel Aviv (Korbverhältnis +30) und Asvel Villeurbanne (-19) - hat aber das schlechteste Korbverhältnis: -36.

Um die Chance zu wahren, muss sich Alba vor allem in drei Bereichen verbessern: In der Statistik aller 24 Euroleague-Teams liegen die Berliner bei den Dreipunktwürfen (30,3 Prozent) und Ballverlusten (15,6 im Schnitt) an letzter Stelle, bei den Freiwürfen (70 Prozent) an Position 20.

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