Länderspiel : Löw: Kein Abschiedsspiel für Lehmann

Jens Lehmanns Hoffnungen auf einen "Abschieds-Einsatz" in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bleiben unerfüllt. Er hätte so gern gegen England gespielt - passt aber nicht in die Spielstrategie. Die Folgen für seinen Fehltritt aus dem Punktspiel gegen den 1. FC Köln sind inzwischen auch entschieden.

Christian Hollmann[dpa]
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Lehmann. -Foto: dpa

Stuttgart/HamburgBundestrainer Joachim Löw teilte dem 38 Jahre alten Torhüter des VfB Stuttgart am Montagabend in einem Gespräch mit, dass er ihn nicht für das Länderspiel gegen England am 19. November in Berlin einladen wird. "Wir müssen unsere Länderspiele dazu nutzen, damit unsere jüngeren Torhüter möglichst viel Spielpraxis in der DFB-Auswahl auf internationaler Ebene sammeln können", begründete Löw seine Entscheidung. Lehmann, der laut Löw "viel für den deutschen Fußball geleistet" habe und für ihn "stets ein wichtiger Ansprechpartner" gewesen sei, hatte nach dem zweiten Platz bei der Europameisterschaft im Juni in Österreich und der Schweiz seine Karriere in der DFB-Auswahl beendet.

"Ich würde gern gegen England spielen, der Gegner ist nach meinen Jahren in London ja naheliegend", hatte der 61-malige Nationalspieler Lehmann kürzlich erklärt und damit seinen Wunsch auf ein Mitwirken zum Ausdruck gebracht. Und obwohl sich auch DFB-Chef Theo Zwanziger für eine "angemessene Verabschiedung" aussprach ("Lehmann ist eine starke Persönlichkeit und hat Spuren hinterlassen. Wenn er mit Löw übereinkommt, spielt er), entschied Löw nun anders.

Lehmann passt nicht in die sportliche Planung

"Sicher wäre es für ihn schön gewesen, nochmals im Nationaltrikot aufzulaufen. Gerade gegen England, wo er fünf Jahre für Arsenal gespielt hat", meinte Löw, "aber die sportlichen Planungen für die bevorstehenden Aufgaben haben jedoch Priorität." Und die heißt: Sportlich passt eine Berufung Lehmanns nicht, weil der Leverkusener René Adler als vorläufige Nummer 1 nach der Verletzung von Robert Enke (Hannover 96) Spielpraxis im deutschen Tor benötigt.

Für Lehmann gab es am Montag allerdings auch eine positive Nachricht vom DFB: Sein Fehltritt aus dem Punktspiel am Samstag gegen den 1. FC Köln bleibt ohne Folgen - der Torwart kommt nach seinem Schienbein-Kick gegen Kölns Roda Antar ohne Strafe davon. Man werde kein Ermittlungsverfahren gegen den Ex-Nationalkeeper einleiten, betonte DFB-Mediendirektor Harald Stenger. Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer habe die strittige Szene gesehen und im Spielbericht vermerkt. Stenger weiter: "Damit ist es eine Tatsachenentscheidung."

Lehmann: Schlecht gelaunt weil unterfordert

Indes: Ein finaler Einsatz in der Nationalelf wäre für den zunehmend missgelaunten Lehmann eine willkommene Abwechslung gewesen. Die Talfahrt der Stuttgarter ins Bundesliga-Mittelmaß hat den überaus ehrgeizigen Schlussmann desillusioniert und seine Stimmung auf den Nullpunkt sinken lassen. "Er hat sich auch nicht entschuldigt. Das ist kein gutes Beispiel", klagte Lehmann-"Opfer" Antar am Samstag. TV-Bilder hatten gezeigt, wie der Torwart dem Libanesen bei der 1:3- Heimpleite der Schwaben gegen Aufsteiger 1. FC Köln kurz vor Ende der Partie einen Tritt gegen das linke Schienbein versetzte. "Eine Dummheit", urteilte Antar.

Drei Monate nach seiner Rückkehr in die Bundesliga liegen bei dem vom FC Arsenal ausgemusterten Lehmann auf dem Platz die Nerven immer öfter blank. Außerhalb des Rasens sorgte er mit Hubschrauber-Flügen von seinem Wohnsitz nach München zum VfB-Training für zusätzlichen Wirbel. Die VfB-Verantwortlichen aber lassen auf ihren Neuzugang nichts kommen. "Jens ist eine absolute Verstärkung", betont Sportdirektor Horst Heldt immer wieder. Fast wöchentlich werben die Schwaben öffentlich um eine Vertragsverlängerung mit dem Routinier, der bislang nur bis zum Saisonende an den Verein gebunden ist.

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