Länderspiel : Tourist Klinsmann lässt Zukunft weiter offen

Mehr als ein Jahr nach seinem Rücktritt ist der frühere DFB-Coach Jürgen Klinsmann in Wembley zur deutschen Nationalmannschaft zurückgekehrt. "Es ist einfach schön, die Leute wiederzusehen", freute sich der 43-Jährige.

Arne Richter,Jens Mende[dpa]
Klinsmann
Seit an Seit: Trainer und Ex-Trainer in Wembley. -Foto: dpa

LondonUnd plötzlich war Jürgen Klinsmann wieder da. Im sandfarbenen Sommermantel und mit seinem gewinnenden Lächeln betrat der Ex-Bundestrainer den Rasen des neuen Wembley-Stadions. Wie ein Phantom tauchte "Klinsi" 395 Tage nach seinem Rücktritt wieder auf und stattete der deutschen Nationalmannschaft vor dem Klassiker gegen England erstmals einen Besuch ab. Die spontane Visite passt zu dem Schwaben: Mit ihm hatte in England niemand gerechnet. Nicht einmal in der Delegation des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) waren alle in die von Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw eingefädelte Aktion eingeweiht.

"Es ist ein wunderschönes Gefühl. Ich habe mich riesig gefreut, dass ich hier rüberkommen darf. Es ist einfach schön, die Leute wiederzusehen", ließ Dauer-Urlauber Klinsmann auf der DFB-Homepage verkünden. Im Stadion war dem WM-Helden hingegen kein Statement mehr zu entlocken. Kurz drehte sich der 43-Jährige zu den Fotografen am Spielfeldrand um, dann beobachtete er an der Seite von DFB-Betreuern und Physiotherapeuten das Abschlusstraining unter der Leitung seines früheren Assistenten und Nachfolgers Löw. Dabei konnte er in viele neue Gesichter blicken. Nach einer Absage-Welle stehen heute nur noch neun von Klinsmanns 23 WM-Akteuren im aktuellen Kader.

Zwischen Völler und Breitner auf der Tribüne

In der Rolle des Länderspiel-Touristen fühlte sich der Wahl-Amerikaner sichtlich wohl. Gemeinsam mit anderen Ex-Größen des deutschen Fußballs wie Uwe Seeler, Paul Breitner und Rudi Völler kann er als Gast des DFB die Partie in Englands neuem Fußball-Tempel verfolgen. In der alten Arena hatte er als Nationalmannschafts-Kapitän 1996 einen seiner größten Erfolge gefeiert und aus der Hand von Englands Königin Elisabeth II. den EM-Siegerpokal in Empfang nehmen können.

Die weiter mit Spannung erwartete Frage nach seiner beruflichen Zukunft ließ Klinsmann unbeantwortet. "Da bin ich auch gespannt", sagte er - und ließ somit allen Raum für Spekulationen. Noch zu Wochenanfang war er bei seinem Ex-Verein Tottenham Hotspur als möglicher Nachfolger des mächtig in der Kritik stehenden Trainers Martin Jol gehandelt worden. Schon am Mittwoch war Klinsmann in Englands Zeitungen aber von Juande Ramos (FC Sevilla) als Top-Kandidat der Spurs abgelöst worden.

Rückkehr als Trainer nicht ausgeschlossen

In den nun schon 13 Monaten seiner beruflichen Auszeit hatte es immer wieder Spekulationen über ein neues Engagement gegeben. Als Nationalcoach Mexikos oder beim FC Chelsea war er im Gespräch, konkret, aber letztlich erfolglos, waren im Frühjahr die Verhandlungen mit dem US-Verband. "Und wenn etwas kommt, was wirklich auch zusammenpasst mit der Familie, was sich optimal verbinden lässt, dann werde ich wieder zurückgehen", nannte Klinsmann seine Bedingung für eine Rückkehr in den Trainerjob. Sein Engagement als TV-Experte bei arena platzte, da der Sender aus wirtschaftlichen Gründen seine Bundesliga-Übertragungen einstellen musste.

Im deutschen Fußball hat Klinsmann in jedem Fall seine Spuren hinterlassen. Nachfolger Löw spürt die Auswirkungen der Klinsmann-Zeit. "Zuletzt habe ich festgestellt, dass es in der Bundesliga eine Trendwende gab. Man konnte feststellen, dass einige Vereine auch gerade junge deutsche Spieler gefördert und ihnen eine Chance gegeben haben", sagte Löw. Teammanager Bierhoff sieht durch Klinsmanns Wirken den DFB im Umbruch: "Der Verband ist offener geworden", sagte er. Und Jens Lehmann ergänzte: "Selbst die größten Kritiker müssen anerkennen, dass die Nationalmannschaft eine riesige Euphorie ausgelöst und einen Riesenschritt nach vorn gemacht hat. Nicht umsonst orientieren sich inzwischen viele Bundesliga-Vereine an Klinsmanns Methoden." (mit dpa)

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