Länderspiel : Türken bleiben lieber zu Hause

Das Interesse der türkischen Fußball-Fans am Länderspiel gegen Deutschland ist gering; nur etwa ein Viertel des Olympiastadions wird besetzt sein. Ein Grund ist wohl das gleichzeitig stattfindende Qualifikationsspiel der Dänen.

Istanbul - Bei türkischen Fußballfans ist das Länderspiel gegen Deutschland an diesem Samstag in Istanbul alles andere als ein großer Renner. Das 80.000 Zuschauer fassende Olympiastadion wird voraussichtlich nur zu einem Viertel gefüllt sein. «Wir gehen davon aus, dass zwischen 15.000 und 20.000 Karten verkauft werden», sagte ein Sprecher des türkischen Fußballverbandes am Freitag auf Anfrage. «Die meisten bleiben zu Hause vor dem Fernseher, um gleichzeitig das für die Türkei so wichtige WM-Qualifikationsspiel zwischen Dänemark und Griechenland zu sehen.» Die Türkei hofft auf einen Sieg der Dänen oder zumindest ein Unentschieden, um in der WM-Qualifikation die Chance auf den zweiten Gruppenplatz zu wahren.

Das geringe Interesse der türkischen Fans hat aber noch einen anderen Grund. «Freundschaftsspiele sind in der Türkei nicht übermäßig beliebt», sagt der Sprecher des Fußballverbandes - selbst wenn es sich dabei um den WM-Vize Deutschland handelt. Als Weltmeister Frankreich vor Jahren gegen die türkische Nationalelf in Istanbul gespielt habe, seien gerade einmal 5000 Zuschauer in das Inönü-Stadion in Besiktas gekommen.

Das letzte Spiel der türkischen Nationalelf gegen Deutschland liegt bereits sechs Jahre zurück. In dem EM-Qualifikationsspiel im Oktober 1999 trennten sich die beiden Mannschaften in München 0:0 unentschieden. Ein Blick in die Annalen zeigt, dass die Türken seit den 50er Jahren in 21 Begegnungen mit Nationalmannschaften aus West- und Ostdeutschland nur vier Siege erreichten, drei davon gegen die DDR-Nationalelf.

Nicht nur deshalb ist die Begegnung am Samstag «sehr wichtig», wie der türkische Nationaltrainer Fatih Terim meint. «Wir wollen sehen, wo unsere Mängel liegen, damit wir für das Spiel gegen Albanien besser gewappnet sind.» Terim, der ohne den Kopfballkünstler Hakan Sükür auskommen muss und der auch die verletzten Torjäger Fatih Tekke (Trabzonspor) und Ümit Karan (Galatasaray) aus dem Kader nehmen musste, dürfte Necati Ates (Galatasaray) und Spanien-Legionär Nihat Kahveci in vorderster Reihe spielen lassen. Als fast sicher gilt, dass auch Bundesliga-Torschützenkönig Halil Altintop vom 1. FC Kaiserslautern von Anfang an mit von der Partie sein wird. Darüber hinaus vermuten türkische Sportblätter, dass Borussia Dortmunds Jungstar Nuri Sahin zumindest in der zweiten Halbzeit die Chance zu seinem ersten Länderspiel bekommen dürfte. (tso/dpa)

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