Lärm auf dem Fußballplatz : Warum diese Verordnung keinen Sinn macht

Kinder auf Spielplätzen dürfen lauter sein als Kinder auf Sportanlagen. Der LSB Berlin protestiert.

Die Anlage an der Körtestraße in Berlin-Kreuzberg ist immer wieder Streitpunkt zwischen Anwohnern und Fußballern.
Die Anlage an der Körtestraße in Berlin-Kreuzberg ist immer wieder Streitpunkt zwischen Anwohnern und Fußballern.Foto: Juergen Engler/LSB Berlin

Die Frage scheint berechtigt: Welchen Unterschied macht es, ob Kinder auf einem Sportplatz oder ob sie auf einem Spiel- und Bolzplatz toben und kreischen? Im Grunde ja keinen. In Deutschland aber doch. Denn nach der aktuellen Rechtslage dürfen hierzulande Kinder auf dem Spielplatz mehr Lärm machen als jene auf dem Fußballplatz.

Der Bundesrat setzte sich mit großer Unterstützung von Seiten des organisierten Sports dafür ein, dass das sogenannte Kinderlärm-Privileg künftig auch für Sportanlagen gilt – und scheiterte.

Der entsprechende Gesetzentwurf ist nun von der Bundesregierung abgewiesen worden. Die Bundesregierung sieht in dem Gesetzentwurf aufgrund von „Abgrenzungsfragen und Vollzugsschwierigkeiten (...) keinen praktischen Nutzen“.

Thomas Härtel, Vizepräsident des Landessportbundes Berlin, reagierte am Dienstag enttäuscht. „Die Haltung der Bundesregierung ist nicht nachvollziehbar. Es gibt wegen der fehlenden Kinderlärmprivilegierung nach wie vor Kinder erster und zweiter Klasse“, sagte er. Härtel verwies auf die Situation in der Körtestraße in Berlin-Kreuzberg. Dort befinden sich ein Spielplatz und ein Fußballplatz direkt nebeneinander. „Je nachdem, auf welchem Platz die Kinder spielen, gelten unterschiedliche Lärmschutzwerte. Das ist absurd und ungerecht“, sagte er.

Viele Anwohnerbeschwerden in Berlin

Der frühere Berliner Staatssekretär für Inneres und Sport hofft nun, „dass eine neue Bundesregierung die Ausweitung des Kinderlärm-Privilegs auf Sportanlagen auf den Weg bringen wird“. Er habe parteiübergreifend Bereitschaft herausgehört, dies anzugehen.

Viele Sportvereine in Berlin waren und sind mit Anwohnerbeschwerden häufig konfrontiert. Insgesamt sind über 50 Konflikte aktenkundig, an etwa 30 Standorten gibt es laut LSB Berlin teils massive Nutzungseinschränkungen für den organisierten Sport.

Von zwei benachbarten Sportplätzen zum Beispiel darf sonntags häufig nur einer bespielt werden, weil sonst die Lärmemission zu groß wäre. Für Berlin, das seit jeher einen Engpass an Plätzen beklagt, ein großes Problem – und für so manchen Anwohner wiederum: ein Ärgernis.

Der Sport aber bekam in dieser Frage Anfang des Jahres Unterstützung von der Politik. Im Januar glich der Bundestag die Lärm-Grenzwerte für den Abend sowie an Sonn- und Feiertagen zwischen 13 und 15 Uhr an die Tagesgrenzwerte unter der Woche an. Dies entspricht in der tatsächlichen Wahrnehmung einer Erhöhung um 50 Prozent des bisher zulässigen Lärmpegels. Was den Lärm von Kindern betrifft aber, bleibt erstmal alles beim Alten. (mei)

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben