Lässig weiter : Der FC Bayern siegt in Nürnberg

Sebastian Krass[München]

Elf Minuten der Halbzeitpause waren vorbei, da brandete plötzlich eine Welle des Jubels durch das Stadion. Ein kleiner Mann in Trainingskleidung war auf das Feld gelaufen. Der kleine Mann hob zum Dank die Arme. Es bestand kein Grund zum Zweifel: Franck Ribéry würde bald ins Spiel der Bayern kommen. Seine bei der EM erlittene Verletzung hat er schließlich auskuriert. Nach gut einer Stunde war es dann so weit. Die Jubelwelle schwappte erneut, nur viel mächtiger als zuvor. Die Lautstärke verriet, dass die Rückkehr Ribérys die Anhänger des FC Bayern an diesem Mittwochabend deutlich mehr bewegte als das Pokalspiel, das drumherum lief und das die Münchner 2:0 (1:0) gegen den 1. FC Nürnberg gewannen.

Jürgen Klinsmann hatte seine Startelf gegenüber dem 2:5 gegen Bremen auf vier Positionen geändert: Oddo, Borowski, Klose und Ottl spielten anstelle von Lell, van Bommel, Podolski und van Buyten. Zudem verzichtete der Bayern-Trainer diesmal auf taktische Experimente. Die Abwehr der Bayern hatte vergleichsweise wenig zu tun. Rechtsverteidiger Massimo Oddo nutzte seine Freiheiten. In der siebten Minute lief der Italiener mit dem Ball durch bis kurz vor die gegnerische Torauslinie, von dort legte er den Ball zurück auf Miroslav Klose. Der nahm den Ball mit der Brust an und schoss ihn hoch ins lange Eck zum 1:0.

Wenig darauf bestand kurz Gefahr für die Abwehr der Bayern. Nürnbergs Daniel Gygax fand sich plötzlich in attraktiver Schussposition, halblinks aus 20 Metern. Er schlenzte hoch auf das lange Eck. Bayerntorhüter Michael Rensing sah zu, wie der Ball knapp vorbeiflog. Doch in der Folge zeigte sich, dass die Fußballerseelen der Bayern keinen nachhaltigen Schaden aus dem vergangenen Samstag davongetragen hatten. Die Gastgeber dominierten das Spiel. Ihr selbstbewusster Auftritt überschritt aber immer wieder die Grenze zur Lässigkeit. Die konfusen Nürnberger luden allerdings auch zur hochmütigen Schönspielerei ein.

Nach einer halben Stunde setzte Klose Bastian Schweinsteiger ein. Der musste sich gar nicht durch die Abwehr der Gäste kämpfen, die war nämlich gerade nicht anwesend. Also spazierte Schweinsteiger einfach durch den verlassenen Raum. Es überraschte fast schon, dass immerhin Gästetorhüter Raphael Schäfer sich dem Gegner in den Weg stellte. An diesem Hindernis scheiterte Schweinsteigers Schuss dann auch.

Kurz vor der Pause wurde aus der Lässigkeit der Bayern Nachlässigkeit. Trotz Führung ließen sie sich im eigenen Stadion auskontern. Doch Javier Pinolas Pass auf den mitgelaufenen Marek Mintal war nicht genau genug. Sonst hätte es wohl 1:1 zur Halbzeit gestanden.

Nach der Pause verstärkte sich der Eindruck aus der ersten Hälfte. Die Bayern unterließen es, konsequent auf ein zweites Tor hinzuspielen, die Nürnberger witterten nun ihre Chance. Nach einer Stunde hatten sie ihre beste Möglichkeit. Doch Mintal scheiterte wenige Meter vor dem Tor an Rensing.

Dann reichte es Jürgen Klinsmann offensichtlich. Er brachte Ribéry für Klose. Kurz darauf erzielte Tim Borowski dann doch das 2:0 für die Münchner – allerdings ohne Beteiligung Ribérys. Auch sonst gelang dem Franzosen noch keine auffällige Aktion. Doch kein Zweifel: Am Samstag wird er seine nächste Chance bekommen, dann in Hannover.

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