Sport : Lätschert statt gallig

Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer äußert sich nach dem 2:0-Sieg in Bremen kritisch zu der Leistung seiner Mannschaft.

Immerhin kratzig. Bayerns Franck Ribéry (r.) bohrt seine Finger tief unter die Gesichtshaut von Bremens Marko Arnautovic. Fotos: dapd Foto: dapd
Immerhin kratzig. Bayerns Franck Ribéry (r.) bohrt seine Finger tief unter die Gesichtshaut von Bremens Marko Arnautovic. Fotos:...Foto: dapd

Bremen - „Lätschert“ – das war der säuerliche Kommentar von Matthias Sammer zu der Einstellung seiner Mannschaft. Und der Sportvorstand des FC Bayern München war nach dem 2:0-Sieg gegen Werder Bremen außerdem der Ansicht, dass man ihr das nicht durchgehen lassen dürfe. Das österreichische Idiom, das so viel bedeutet wie schlapp und uninspiriert, traf auf den Punkt, was die 42 100 Zuschauer in der ausverkauften Arena in Bremen erlebt hatten. „Wenn Spiel oder Training ist, muss die Laterne an sein. Heute hat sie nur leicht geglimmt“, fügte Sammer an – und forderte drei Tage vor dem Champions-League-Ausflug nach Borissow Konsequenzen.

„Es geht nicht immer darum, das Ergebnis zu bewerten, sondern darum, die Leistung zu bewerten.“ Doch das war gegen die am Ende nachlässig verteidigenden Bremer nicht so, wie es sich Sammer vorgestellt hat. „Wir waren nicht richtig gallig.“ Bei Bayern-Kapitän Philipp Lahm klang es anders: „Wir haben uns schwergetan. Als es drauf ankam, haben wir die Partie aber entschieden.“ Diese Selbstzufriedenheit mag es sein, die Sammer auf die Palme bringt: „Wir müssen aufwachen. Wenn wir uns einlullen lassen, sind wir auf dem Holzweg.“

„Wir haben deutliche Worte in der Halbzeit gefunden“, erzählte Bayern-Trainer Jupp Heynckes. Zu langsam habe seine ohne den angeschlagenen Arjen Robben angetretene Mannschaft gespielt. „Ohne Esprit“ sowieso. Erst die Einwechslung von Mario Mandzukic, der den Ex-Bremer Claudio Pizarro ersetzte und auch im sechsten Bundesligaspiel wieder traf, sowie Xherdan Shaqiri und Javier Martinez habe den Ausschlag gegeben. Ein Glück für Heynckes, dass man „Spiele von der Bank aus entscheiden kann“.

Der Auftritt der Bayern war ein Grund dafür, dass aus dem erwartet leichten Sieg nichts wurde gegen den einstigen Rivalen, der mit 26 Siegen mehr Erfolge gegen die Münchner aufzuweisen hat als jedes andere Team in der Bundesliga. „Werder hat eine richtig gute Mannschaft, der man Zeit geben muss“, sagte Sammer. „Deshalb schätzen wir den Sieg auch sehr hoch ein.“ Viel Lob für seine Mannschaft, die Punkte aber für den Gegner – Werder-Trainer Thomas Schaaf quittierte das mittlerweile gewohnte Prozedere mit einem Lächeln - und analysierte nüchtern: „Ich denke schon, dass wir uns gewehrt haben. Aber ich hätte mir manchmal mehr Mut in der Offensive gewünscht.“

Auch Sebastian Prödl konnte das Lob nicht mehr hören. „Ich bin mega enttäuscht. Heute war mehr drin“, sagte der Österreicher, der im Abwehrzentrum mit Sokratis seine beste Saisonleistung bot. Das 1:0 von Luiz Gustavo in der 81. Minute, das dem Spiel die Wende gab, entsprang trotzdem wieder einem haarsträubenden Fehler. Der Brasilianer konnte sich an der Strafraumgrenze den Ball unbedrängt zurechtlegen und ließ dem zu weit vor seinem Tor postierten Sebastian Mielitz mit einem Schlenzer keine Chance.

„Das war heute nicht unsere Gewichtsklasse“, sagte Werders Geschäftsführer Klaus Allofs. Aber allzu dramatisch wollte er die Niederlage auch wiederum nicht sehen. „Es hat ja wohl niemand ernsthaft damit gerechnet, dass wir die Bayern schlagen.“ dapd

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