• Lance Armstrong als Sprintstar Der Tour-Sieger überrascht sich selbst beim Rad-Weltcup in Zürich

Sport : Lance Armstrong als Sprintstar Der Tour-Sieger überrascht sich selbst beim Rad-Weltcup in Zürich

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Von Hartmut Scherzer

Zürich. Der Italiener Dario Frigo hat das Rennen nach einem langen Soloritt gewonnen. Und sein Landsmann Paulo Bettini hat als Zweiter nun die Führung im Weltcup übernommen. Doch die eigentliche Attraktion des 89. Schweizer Radklassikers Züri Metzgete hieß Lance Armstrong. Der viermalige Tour-Sieger spurtete nach 236,6 Kilometern und fast sechs Stunden Hitzefahrt zur eigenen Überraschung auf den dritten Platz, obwohl er sich drei Wochen nach seinem Triumph in Paris nicht mehr in guter Form gefühlt hatte. „Zur Siegerehrung aufs Podium zu kommen, hatte ich wirklich nicht im Sinn“, sagte der Amerikaner mit einem breiten Lächeln.

Am Ende war er in einem Dutzend Verfolger nur so zum Spaß um den zweiten Platz mitgespurtet. „Ich habe mir gesagt: Versuch das mal. Es ist lange her, dass ich zu einem Sprint angetreten bin. Darum kümmere ich mich sonst nie“, sagte Armstrong. „Da waren schnelle Typen dabei, und ich habe mit einem sechsten oder siebten Platz gerechnet. Aber dann bin ich bis auf Bettini an allen vorbeigekommen."

Vor dem Start hatte ein gutgelaunter Lance Armstrong noch erzählt, wie sehr er in den drei Wochen nach seinem Tour-Sieg „die angenehmen Seiten des Lebens“ genossen habe. „Ich habe mich bei meiner Familie entspannt, kaum trainiert, vielleicht zwei, drei Stunden am Tag. Ich habe zu viel gegessen und Wein getrunken.“ Seiner Form sei das nicht zuträglich gewesen, sagte Armstrong gelassen. Immerhin hatte er versprochen: „Ich will diesmal länger im Rennen bleiben als letztes Jahr.“ Da war er nach fünfzig Kilometern ausgestiegen.

Und dann das: Auf einmal beeindruckte der angeblich formschwache Superstar bei diesem schweren Ausscheidungsrennen über zehn ruppige Steigungen doch mit einem großen Finale. „Ich bin zwar bei den Anstiegen jedesmal zurückgefallen. Aber ich bin ganz entspannt meinen Rhythmus weitergefahren und konnte dann immer wieder aufschließen", sagte der Tour-de-France-Sieger. Es hat gereicht, aus Lance Armstrong für einen Tag einen Sprintstar zu machen.

Das Team Telekom, das in den beiden vergangenen Jahren mit Jan Ullrich (jeweils Zweiter) um den Sieg gekämpft hatte, war diesmal in Zürich am Finale und an der Entscheidung nicht beteiligt. Erik Zabel war nicht anwesend, sondern strampelte zur gleichen Zeit bei einem Kirmesrennen in Mönchengladbach.

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