Sport : Lance Armstrong im Gespräch: "Da komme ich schon ins Grübeln"

Wie sind Sie drauf nach dem Training im Winter?

Lance Armstrong (29) hat die Tour de France zweimal gewonnen. Der Radrennfahrer überwand seine Krebskrankheit und kehrte in die Weltspitze zurück. In diesem Jahr tritt er bei der Tour erneut gegen Jan Ullrich an.

Wie sind Sie drauf nach dem Training im Winter?

Meine Kondition ist etwas besser als in vorangegangenen Jahren zu diesem Zeitpunkt. Ich fühle mich gut.

Ist der Saison-Auftakt diesmal auch etwas Besonderes, weil Sie hier gleich Ihre großen Rivalen für die Tour de France treffen, Jan Ullrich und Marco Pantani?

Nein, das macht keinen Unterschied.

Auf Ihrer Website war zu lesen, wenn Ihnen nichts passiere, seien Sie bei der Tour nicht zu schlagen, habe Ullrich keine Chance.

Mmmmm. Ich denke nicht, dass ich das gesagt habe. Ullrich hat sogar eine große Chance. Er ist ein großartiger Rennfahrer und ein riesiges Talent. Er ist ganz offensichtlich ein großer Favorit und eine ernsthafte Bedrohung für mich. Sein Fokus ist die Tour de France. Wie bei mir auch. Er investiert alles in einem Jahr für dieses eine Rennen. So wie ich es auch halte. Und schließlich hat auch er die Tour schon gewonnen.

Anders als im letzten Jahr werden Sie und Ullrich sich vor der Tour oft begegnen.

Wir bestreiten beide ähnliche Rennen. Es ist gut, die Saison in diesen spanischen Rundfahrten zu beginnen. Diese Rennen sind nicht so schnell und nicht so hart wie Tirreno-Adriatico und Paris-Nizza.

Wie sieht Ihr weiteres Programm aus?

Nach Murcia die Katalanische Woche, die Vuelta Aragon, das Amstel Gold Race. Dazwischen quäle ich mich im Training. Da fordere ich mich mehr als in den Rennen.

Beim Saisonauftakt gab es wieder einen fürchterlichen Sturz. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn sie die blutigen Bilder sehen?

Wenn ich diese schlimmen Bilder von schwer gestürzten Fahrern sehe, von einem, der auch noch einen Sturzhelm trug, komme ich schon ins Grübeln. Schreckliche Gedanken. Wenn ich an der Unglücksstelle vorbeifahre, schaue ich nicht einmal hin. Ich will es nicht sehen. Aber du hoffst für ihr Wohlbefinden, dass sie okay sind.

Wie war die erste Begegnung mit ihrem einstigen Teamkameraden und engsten Freund Kevin Livingston?

Ich habe ihn im Rennen gesehen.

Haben Sie mit ihm gesprochen?

Nein. Da gibt es nichts zu sagen.

Vermissen Sie ihn?

Nein. Ich wünsche ihm alles Gute. Er ist ein großer Rennfahrer. Ein guter Junge.

Was war der Grund für die Trennung?

Das müssen Sie ihn fragen.

Sie haben keine Ahnung?

Nur soviel: Ich glaube, er ist bei dem Wechsel zum Team Linda McCartney in eine schwierige Situation geraten. Er war dann gezwungen, eine andere Mannschaft zu finden, zu einer Zeit, als die Teams bereits voll waren und das Geld ausgegeben war. Da musst du nehmen, was noch kommt. Telekom machte ihm ein lohnendes Angebot. Das ist also etwas anderes, als wenn er direkt von uns zu Telekom gewechselt wäre.

Hegen Sie keinen Groll darüber, dass Kevin Livingston ausgerechnet zu Ihrer, wie Sie selbst einräumen, größten Bedrohung Jan Ullrich wechselte?

Ich glaube, jeder bei uns war darüber etwas enttäuscht. Enttäuscht sind wir aber vor allem, weil er nichts von sich hören ließ. Bei keinem im Team, nicht bei Tyler Hamilton, nicht bei George Hincapie. Niemand hat mit ihm gesprochen, seit er uns verlassen hat. Nach zehn Jahren einfach so zu verschwinden - das war für uns schon ein Schock.

Hat die Trennung Ihnen wehgetan? Schließlich war Kevin nicht nur Ihr bester Helfer bei den Tour-Siegen, sondern darüber hinaus, wie in Ihrer Biografie nachzulesen ist, für Sie wie ein Bruder, der bei Ihrem schweren Kampf gegen den Krebs vom ersten Tag an stets an Ihrer Seite stand.

Für mich persönlich war es schon ein Schlag. Aber nicht für die Mannschaft. Ich glaube, wir werden auch ohne ihn stark genug sein.

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