Sport : Land der Torjäger

Sven Goldmann

Die Welt staunt über Deutschland. Nicht wegen so viel Schwarz-Rot- Gold auf den Straßen, das findet die Welt eher normal und wundert sich bloß, dass es so lange gedauert hat bis zur Entwicklung eines gewöhnlichen Nationalstolzes. Warum aber spielen diese Deutschen auf einmal so modernen Fußball? In drei Spielen haben sie schon acht Tore geschossen, allein die Hälfte geht auf das Konto eines Stürmers, der nicht in Barcelona oder Mailand spielt, sondern in Bremen. Was ist geworden aus dem Land der Verteidiger, das sich drei WM-Titel mit viel Glück und noch mehr vor das eigene Tor genagelten Brettern sicherte?

Das ist ein oft zitiertes Vorurteil, das nur einen Nachteil hat: Es stimmt nicht. Die Deutschen mögen auf dem Fußballplatz schon immer mehr Disziplin und Einsatzbereitschaft gezeigt haben als andere. Eine Nation von Verteidigern und Toreverhinderern waren sie nie, auch und erst recht nicht bei Weltmeisterschaften. Schon 1954 siegte im Finale von Bern nicht die schlechtere Mannschaft und keinesfalls eine, die sich 90 Minuten hinten reingestellt und vorn auf den lieben Gott vertraut hatte. Der 3:2-Sieg über Ungarn war Resultat einer mitreißenden Aufholjagd, inszeniert von einer offensivstarken Mannschaft um Fritz Walter und Helmut Rahn. Diese Mannschaft schoss in sechs Spielen 25 Tore.

Ist es denn ein Zufall, dass der erfolgreichste Torschütze bei Fußball-Weltmeisterschaften bis heute ein Deutscher ist? Gerd Müller, insgesamt 14 Tore hat er erzielt, das letzte zum 2:1-Sieg im WM-Finale 1974 gegen Holland. Und 1990 in Italien waren keineswegs die Deutschen verantwortlich, dass es in Rom eines der hässlichsten WM-Finals aller Zeiten gab. Die Zerstörer kamen aus Argentinien, die überragenden Angreifer des Turniers hießen (neben dem Italiener Salvatore Schillaci) Rudi Völler und Jürgen Klinsmann.

Miroslav Kloses bemerkenswerte Vorstellung in diesen Tagen ist also keine Ausnahme, sie steht in einer langen Tradition erfolgreicher deutscher WM-Stürmer. Vor vier Jahren in Fernost hat er übrigens auch schon fünf Tore erzielt, drei davon gegen Saudi-Arabien. Das Spiel endete 8:0, und es war das torreichste des gesamten Turniers.

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