Sport : Land des Lächelns

In der Formel 1 häufen sich die Unfälle durch Reifenschäden – doch die Kritik der Fahrer hält sich in Grenzen

Karin Sturm[Monza]

Vier Reifenschäden in Spa, drei beim Testen in Monza, darunter derjenige, der Michael Schumacher mit Tempo 345 in die Leitplanken abfliegen ließ – die Fahrer müssten eigentlich vor dem Grand Prix von Italien an diesem Wochenende in Monza alarmiert sein. Vor allem, da die Erklärungen von Bridgestone und Michelin zu den Vorfällen eher mager sind: Scharfkantige Trümmerteile, hohe Kanten in den Randsteinen und weggeflogene Ventilkappen sollen Urheber der vielen Reifenschäden der vergangenen Wochen sein.

Von den betroffenen Piloten ist derweil erstaunlich wenig zu hören. Michael Schumacher wollte schon in Spa zu diesem Thema nichts sagen. Auch jetzt, als es ihn in Monza selbst erwischte, nimmt er alles scheinbar fatalistisch hin. „So etwas wirft mich nicht um“, sagte er bei seinem Auftritt bei den Ferrari-Days am Nürburgring. Auch intern hat er wohl kein Machtwort gesprochen: Bei Bridgestone überlegte man am Wochenbeginn immer noch, ob man jenen Experimental-Reifentyp, der an Schumachers Ferrari aus bisher immer noch ungeklärter Ursache platzte, in Monza einsetzen soll. Es handelte sich dabei um einen Reifentyp, den man aus Sicherheitsgründen in Spa noch nicht benutzt hatte – weil es auch intern Zweifel an der Sicherheit auf Hochgeschwindigkeitskursen gab.

Der Reifenkrieg zwischen Michelin und Bridgestone birgt Gefahr: Die Formel 1 ist in diesem Jahr allein auf Grund der Reifenentwicklung im Schnitt zwei bis drei Sekunden pro Runde schneller geworden – was auch die Unfallgefahr erhöht. Aber die Top-Fahrer schweigen, und so wird sich angesichts der harten Konkurrenz wohl wenig ändern. Warum die Fahrer sich nicht gegen die offensichtlichen Gefahren wehren, ist nur zu erahnen: Einerseits sind viele inzwischen derart abhängig von Teams und Sponsoren geworden, dass sie keine kritische Äußerung mehr wagen. Andererseits gingen selbst die schwersten Unfälle in den letzten Jahren relativ glimpflich aus – das führt zu einer trügerischen Sicherheit.

Alle bisherigen Versuche, die Formel 1 sicherer zu machen, zielten hauptsächlich auf die Beseitigung der Symptome, nicht aber der Ursachen ab. Nick Heidfeld forderte bereits des öfteren den Einsatz von Kehrmaschinen, die nach Safety-Car-Phasen die Strecke säubern. Der Weltverband des Motorsports, die FIA, denkt an die Ummantelung der Kohlefaser-Strukturen der Autos mit Kevlar, um scharfe Splitter zu vermeiden. Doch ob dieses Verfahren überhaupt praktikabel und an Bruchstellen auch erfolgreich ist, bleibt zweifelhaft. Andere Formel-1-Experten dachten schon an Haltbarkeits- oder Belastungstests für Reifen durch die FIA – analog zu den Crashtests für die Chassis. Doch solche Maßnahmen sind nicht einmal in der konkreten Planungsphase. FIA-Präsident Max Mosley versucht derzeit, ein neues Motorenreglement durchzudrücken. Vielleicht sollte er sich zunächst einmal mit den Reifen beschäftigen.

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