Landessportbund : Politik gegen Praxis

Klaus Böger und Dietrich Gerber wollen am Freitag Präsident des Landessportbunds werden. Umkämpft sind auch die beiden Vizepräsidentenposten.

Friedhard Teuffel

Berlin - Der eine hat sich auf sieben Minuten eingestellt, der andere auf fünf Punkte. Eine letzte, kurze Rede dürfen die beiden Bewerber Dietrich Gerber und Klaus Böger an diesem Freitagabend noch halten, bevor die Delegierten im Rathaus Schöneberg unter ihnen den neuen Präsidenten des Landessportbundes (LSB) auswählen. Der ehemalige Senator Böger und der bisherige LSB-Vizepräsident Gerber wollen beide Peter Hanisch nachfolgen. Und je näher die Wahl rückt, desto offener scheint ihr Ausgang.

Als Böger im vergangenen Jahr seine Kandidatur bekannt gab, hatten sich die großen Ballsportverbände schnell auf ihn festgelegt. Das Rennen sei entschieden, verkündeten sie. Und ihr Wortführer Erfried Neumann, Präsident des Hockeyverbandes, sagt auch jetzt noch: „Unsere Hochrechnung hat ergeben, dass Herr Böger gewinnen wird.“

In den vergangenen Monaten hat Gerber jedoch offenbar ähnlich erfolgreich um Unterstützung geworben. „Im November konnte nur einer gewinnen, nun scheint es sich sogar etwas zu meiner Seite zu neigen“, sagt der 65-Jährige. Er ist damit allerdings genauso zweckoptimistisch wie sein Konkurrent Böger, der 63-Jährige sagt: „Ich bin erwartungsvoll aufgeregt und zuversichtlich.“

Insgesamt sind 198 Stimmen zu vergeben. Bisher deutet einiges darauf hin, dass 60 davon auf jeden Fall auf Böger entfallen werden, etwa 60 jedoch auf Gerber, vor allem die aus kleineren Verbänden und aus manchen Bezirkssportbünden. „Zirka ein Drittel der Stimmen sind offen“, sagt LSB-Direktor Norbert Skowronek.

Dass die Unterstützung für beide aus ganz unterschiedlichen Lagern kommt, bereitet Skowronek Sorge. Denn es gehe bei dieser Wahl auch darum, eine Spaltung im Berliner Sport zu verhindern. Große Verbände gegen kleine Verbände, das ist die Konfliktlinie. Manche kleine fühlen sich vernachlässigt. Als im Januar die Präsidentenversammlung des LSB zusammentrat, wählte dieses neue Gremium die Präsidentinnen des Karate- und American-Football-Verbandes sowie den Präsidenten des Tauchsport-Verbandes an die Spitze.

Die Atmosphäre ist auch deshalb nicht freundlicher geworden, weil die finanzielle Unterstützung des Sports durch Staat und Wirtschaft schrumpft. Gerber konnte sich in einem Schreiben an Sportverbände die Bemerkung nicht verkneifen, dass die Sportförderung des Berliner Senats allein in den Jahren 2002 bis 2006 um 4,5 Millionen Euro zurückgegangen sei. Also in der Zeit, als Klaus Böger Senator für Schule und Sport war. Überhaupt will sich Gerber als „Mann der Praxis“ positionieren, weil er unter anderem Vorsitzender des Trägervereins des Olympiastützpunkts ist und im Deutschen Olympischen Sportbund den Leistungssport mit koordinieren hilft.

Sein Wahlprogramm zielt jedoch vor allem auf den Breiten- und Freizeitsport ab, der Leistungssport sei schließlich gut aufgestellt. Er stellt sich vor, dass der LSB einen Vertrag für zehn Jahre mit dem Senat schließt, um dem Sport einen festen Grundbetrag zu sichern. Um mehr private Mittel einzuwerben, will er einen der beiden Vizepräsidentenposten umwidmen, vom Leistungssport auf Sport und Wirtschaft.

Bögers Fünf-Punkte-Programm umfasst die engere Kooperation des Sports mit Bildungseinrichtungen von der Kita bis zu allen Schulformen, gerade auch den Ganztagsschulen, die Integration, Gesundheitsprophylaxe, den Leistungssport und ebenfalls eine stabile Finanzierung. Als Senator habe er den kostenlosen Zugang des Sports zu Sportstätten ebenso gesichert wie die Finanzierung von Landestrainern. „Ich habe Erfahrung, die notwendige Zeit und verfüge über ein gutes Netzwerk“, sagt er.

Umkämpft sind auch die beiden Vizepräsidentenposten zwischen der Amtsinhaberin Gabriele Wrede, dem Präsidiumsmitglied Wolf-Dietrich Wolf, dem ehemaligen Olympiastützpunktleiter Jochen Zinner und Isko Steffan, Vizepräsident des Behinderten-Sportverbands. Eine Entscheidung steht dagegen schon fest: Peter Hanisch wird neben Manfred von Richthofen zum Ehrenpräsidenten gewählt. „Er ist ein guter Interessenvertreter der Vereine und ein Mann der Basis, kumpelhaft, aber nicht im negativen Sinne“, sagt LSB-Direktor Skowronek über ihn.

Seit dem Jahr 2000 hat Hanisch den LSB geführt. Sein Nachfolger wird in den nächsten drei Jahren einige Verteilungskämpfe zu führen haben. Und auch sonst wird der Posten nicht komfortabler: Am Jahresende schafft der LSB seinen Dienstwagen samt Chauffeur ab.

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