Sport : Lange Ankunft

Der Brasilianer Naldo hat in Bremen noch Anpassungsprobleme – der Klub glaubt, sie lösen zu können

Frank Hellmann[Bremen]

Vor kurzem hat Tim Borowski bei Dolmetscher Roland Martinez-Vazquez nachgefragt. Was man denn einem Brasilianer sage, wenn er ein gutes Spiel gemacht habe, wollte der Mittelfeldspieler von Werder Bremen wissen. „Bom jogo“, bekam Borowski zur Antwort und merkte sich die Worte. Nach dem 2:0-Sieg beim FSV Mainz 05 war es dann so weit: Borowski schlenderte auf Naldo zu, gab ihm einen Klaps und sagte „Bom jogo“ (auf Deutsch: „gutes Spiel“). Zur Freude des 22 Jahre alten Innenverteidigers.

Bislang gingen die Meinungen auseinander, ob der nach langem Tauziehen für 2,9 Millionen Euro Ablöse von FC Juventude verpflichtete Abwehrspieler wirklich eine Verstärkung darstellt. Beim Debüt gegen Bielefeld und in Basel ging hinten so einiges daneben, die harsche Kritik traf ihn, den zentralen Abwehrspieler. „Naldo kann noch gar nicht bei 100 Prozent sein“, sagte Sportdirektor Klaus Allofs, „in Brasilien war er eine ganz andere Spielweise gewohnt.“

Schon beim heutigen Rückspiel der Champions-League-Qualifikation gegen den FC Basel (20.45 Uhr, Liveübertragung auf Sat1), wenn es ein 1:2 aus dem Hinspiel wettzumachen gilt, soll Naldo nicht mehr Sicherheitsrisiko, sondern Stabilisator sein. Menschlich wie sportlich, da sind sie sich an der Weser einig, schreitet die Integration von Ronaldo Aparecido Rodrigues, so lautet sein richtiger Name, voran. Mit einem Dolmetscher ist es da nicht getan – bei Ailton scheiterte Martinez-Vazquez kläglich.

Den Brasilianern in Bremen nimmt sich seit geraumer Zeit Jürgen L. Born an. Der Vorstandsvorsitzende, früherer Südamerika-Experte der Deutschen Bank, ist mit seinen Portugiesisch-Kenntnissen dafür prädestiniert. „Sie fragen mich dann schon mal, welche Farbe der Schnee hat oder wie kalt es hier im Winter wird. Und man muss solche Spieler auch über die hiesigen Lebensgewohnheiten aufklären.“

Bei Ailton waren viele gut gemeinte Hinweise vergeblich, bei Gustavo Nery beinahe alle. „Die Integration ist nie gelungen“, gibt Born rückblickend zu, „er hat immer wieder die Einreise seiner Frau verschoben, dann ist er alleine durch die Stadt gestrolcht.“ Im vergangenen Winter flüchtete Nery zurück nach Brasilien, nachdem der Linksverteidiger gerade mal ein Spiel für Werder bestritten hatte.

Die Bremer zahlen noch ein bisschen Lehrgeld, was die Adaption der Ballkünstler angeht. Allein Bayer Leverkusen ist darauf dank seines Brasilien-Experten Norbert Ziegler spezialisiert. Bayer und Brasilianer, das ist eine Erfolgsgeschichte seit mehr als 15 Jahren. „Damals bekam man dort absolute Granaten für wenig Geld“, weiß Bayers ehemaliger Manager Reiner Calmund.

Den ersten Brasilianer, Tita, verpflichtete Bayer Leverkusen 1987 für eine halbe Million Mark. 1989 kam Jorginho für knapp 900000. Später kamen Sergio, Emerson oder Lucio, zuletzt Juan, Roque Junior oder Athirson. Dank eines ausgeklügelten Scouting- und Betreuungssystems leisteten sich die Leverkusener kaum einen Flop und gaben viele Spieler mit sattem Gewinn an andere Klubs weiter. In der Bundesliga ist das einzigartig – auch Borussia Dortmund hatte mit seinen südamerikanischen Spielern wenig Glück.

Doch bei Werder Bremen sind sie sicher, mit dem aufgeschlossenen Naldo einen guten Griff getan zu haben. Born lobt: „Naldo ist seriös, selbst- und verantwortungsbewusst.“ Er glaubt fest, dass der Neue seinen bis 2009 datierten Vertrag erfüllt. Auch Naldo plant langfristig: Auf die Frage, wo er sein Traumhaus bauen würde, antwortete Naldo dem Werder-Magazin: „In Deutschland, wegen der Sicherheit und Infrastruktur.“

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