Sport : Langer Abschied

Albas ehemaliger Trainer Emir Mutapcic trauert mit den Basketballern über das unglückliche Saisonende

Benedikt Voigt

Das endgültige Saisonende für Emir Mutapcic kam in der Sportsbar „Pickers“ in der Schlossstraße in Steglitz. Dort erlebte der Basketball-Trainer die Live-Übertragung des vierten Halbfinalspiels zwischen Frankfurt und Alba Berlin. Als das Spiel vorbei war, sagte der Bosnier: „Frankfurt ist verdient ins Finale gekommen.“ Lieber wäre ihm jedoch, Alba Berlin hätte es geschafft.

Es ist auch seine Mannschaft, die im Halbfinale gescheitert ist. Er hat das Team vor Saisonbeginn zusammengestellt, bis Ende Januar war er für die sportlichen Geschicke als Trainer verantwortlich. Dann entschlossen sich Präsident Dieter Hauert und Vizepräsident Marco Baldi nach dem schwachen Abschneiden im Uleb-Cup zur ersten Trainerentlassung der Vereinsgeschichte. „Der Druck von außen ist zu groß geworden“, sagt Mutapcic. Trotz aller Enttäuschung ist sein Verhältnis zum Klub weiterhin gut. „Gewinnen ist wichtig, aber Fair-Play ist auch wichtig“, sagt Mutapcic. Er ging als erster Abgang der Saison 2004/2005 in die Annalen ein, weitere könnten in den nächsten Wochen folgen. „Es werden Späne fallen“, sagte Baldi.

Alle Ziele hat Alba in der vergangenen Saison verfehlt. Erst unter Mutapcic, dann unter Trainer Henrik Rödl. Die Gründe dafür sieht der ehemalige Trainer ähnlich wie die Verantwortlichen des Basketballklubs: Die Mannschaft habe insgesamt gut gespielt, Charakter bewiesen, sei aber durch Rückschläge von Viruserkrankung bis Dopingfall aus dem Tritt gekommen. Mutapcic ergänzt: „Alba hat die Generation gewechselt, es fehlen jetzt Spieler wie Teoman Öztürk, Henrik Rödl oder Marko Pesic.“ Und die Liga sei stärker geworden.

Über seinen Nachfolger sagt Mutapcic: „Es ist schwer für Henrik Rödl, er hat noch keine Zeit gehabt, eine eigene Trainer-Philosphie zu entwickeln.“ Unter Rödl bekam der 20-jährige Litauer Martynas Mazeika ausgiebig Spielzeit, außerdem holte er Sascha Leutloff und Robert Kulawick vom TuS Lichterfelde, deren Verträge gestern verlängert wurden. Mutapcic wehrt sich gegen den Eindruck, er habe als Trainer die Jugend nicht gefördert. „Wer hat denn Mazeika geholt?“, sagt Mutapcic, „ich habe ihm vor der Saison gesagt, du wirst deine Chance bekommen.“ Tatsächlich nutzte der Litauer die Gelegenheit, als sich Aufbauspieler Mithat Demirel verletzt hatte. Nach der Ausländerfreigabe in der Liga ist ihm nun um den Nachwuchs bange. „Es kommt eine schwere Zeit mit der neuen Regel.“ Inzwischen drohen die deutschen Nationalspieler mit einem Streik, falls sich die Quotierung für die nächste Saison nicht ändert.

Mutapcic, der ein Angebot aus Perm in Russland hatte, möchte aus familiären Gründen in Deutschland bleiben. Gegenwärtig suchen Bonn und Köln neue Trainer. Seit seiner Entlassung ist er nicht mehr bei Alba gewesen, „ich konnte das noch nicht.“ Vielleicht gelingt es ihm nächste Saison, wenn eine Alba-Mannschaft spielt, die nicht seine ehemalige ist. Am liebsten aber würde er als Trainer in die Max-Schmeling-Halle zurückkehren. „Mit einer anderen Mannschaft.“

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