Sport : Langer Anlauf

Auch mit 36 Jahren steigert sich Luminita Zaituc – beim Berlin-Marathon könnte sie Bestzeit laufen

Jörg Wenig

Berlin - Es ist jetzt schon die 20. internationale Saison für Luminita Zaituc und trotzdem könnte ihre beste Zeit erst noch kommen. Denn über die klassische Marathondistanz hat die 36 Jahre alte Athletin der LG Braunschweig noch großes Potenzial. Die Chancen stehen gut, dass sie das am Sonntag auf Berlins Straßen zeigen kann. Zum ersten Mal geht Luminita Zaituc beim Berlin-Marathon an den Start.

„Dieser Start in Berlin ist eine große Chance für mich“, sagt Zaituc, deren wahres Vermögen über die Marathondistanz sich bisher nicht in ihrer Bestzeit von 2:26:01 Stunden widerspiegelt. Ihr persönlicher Rekord ist bereits vier Jahre alt. Damit hatte sie damals den Frankfurt-Marathon gewonnen, ihr zweites Rennen über die 42,195 Kilometer. Ein Jahr später wurde Zaituc überraschend Zweite bei der Europameisterschaft in München, doch Verletzungsprobleme stoppten sie anschließend. 2003 gewann sie wiederum in Frankfurt, 2004 lief sie bei den Olympischen Spielen im brütend heißen Athen auf einen beachtlichen 18. Rang.

In diesem Frühjahr gewann sie nach dem Berliner Halbmarathon auch den Düsseldorf-Marathon. Doch wiederum hatte sie ein Rennen erwischt, in dem die Bedingungen nicht optimal waren. Es regnete in Strömen. Nun spricht viel dafür, dass Luminita Zaituc am Sonntag genau den Lauf erwischt, den sie braucht. „Ich bin gut vorbereitet, aber ein Marathon ist lang. Deswegen möchte ich vorher nicht so viel versprechen.“

Dass die japanische Olympiasiegerin Mizuki Noguchi unter normalen Umständen nicht zu schlagen ist, ist auch Zaituc klar. Doch hinter dem japanischen Superstar scheint alles möglich für die aus Rumänien stammende Läuferin. Es ist denkbar, dass Zaituc zur bisher zweitschnellsten deutschen Marathonläuferin wird. Der deutsche Rekord von Uta Pippig steht bei 2:21:45 Stunden. Und an Position zwei dieser Liste steht zurzeit Katrin Dörre-Heinig mit 2:24:35.

In Bukarest geboren, lebte Luminita Zaituc während ihrer Kindheit in der Stadt Vulkan. Turnen und Skilanglauf waren zunächst ihre Sportarten. „Mit 14 Jahren habe ich mit der Leichtathletik angefangen“, erzählt sie. Und nachdem ihr Talent bei Cross-Meisterschaften aufgefallen war, wechselte sie in der neunten Klasse auf eine Sportschule. „Zwölfmal in der Woche habe ich dort trainiert. Dieses Training war die Grundlage für meine Karriere“, sagt Zaituc.

Als sie 1986 ihr internationales Debüt im Trikot von Rumänien gab, hätte man nicht unbedingt darauf schließen können, dass aus ihr eines Tages eine Marathonläuferin werden könnte. Denn bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Athen lief Luminita Zaituc in der 4x400-Meter-Staffel und wurde Fünfte. Über 1500 Meter hatte sie angesichts der starken nationalen Konkurrenz die Qualifikation verpasst. „Ich durfte nicht selbst entscheiden, bei welchen Wettkämpfen ich an den Start gehe“, erklärt Zaituc, warum sie 1990 nach Deutschland wechselte. Seitdem lebt sie mit ihrem Freund Dumitru Dobre in Hamm. Schwierigkeiten machten ihr die rumänischen Funktionäre beim Wechsel zwar nicht, doch erst fünf Jahre später durfte sie für Deutschland starten.

Zunächst konzentrierte sich Luminita Zaituc weiter auf die Mittel- und Langstrecken auf der Bahn. „Dann bin ich in einem Höhentraining einmal zweieinhalb Stunden am Stück gelaufen und dachte mir, dass ich dann ja auch Marathon laufen könnte“, erzählt sie, wie es 2001 zum Marathon-Debüt gekommen war. Der Wechsel auf die klassische Distanz hat sich für die Läuferin, die zur Sportfördergruppe der Bundeswehr gehört, ausgezahlt. Am Sonntag dürfte sie einen weiteren Schritt nach vorne machen. Und an ein Karriereende ist noch nicht zu denken. „Ich laufe noch so lange, wie es mir Spaß macht.“

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