Sport : Langsam erfolgreich

Ein müder FC Bayern schlägt Leverkusen 2:1 und lauert

Klaus Raab[München]

Andrej Woronin verweigerte nach dem Spiel auf ungewöhnliche Art einen Kommentar: Er trug eine abschreckende Sonnenbrille, blendete die Journalisten mit einem Ohrring, aus seiner Tasche kam laut Musik – und er war zu schnell. Dabei wäre es interessant gewesen, zu hören, was er zu seinem Tor sagt. Einen „echt sensationellen Gegentreffer“ nannte es Bayern Münchens Trainer Ottmar Hitzfeld. Nach einer Stunde hatte Woronin aus sehr spitzem Winkel den Ball über Oliver Kahns Hände hinweg ins Tor befördert.

Dass Kahn nach dem Spiel, das sein 400. in der Bundesliga war, kein Wort darüber verlor, lag daran, dass Bayern München trotzdem gewonnen hatte, 2:1 nach Toren von Mark van Bommel und Roy Makaay. Und so hakte Kahn das Spiel kurzerhand ab: „So ein Spiel ist nicht einfach, nachdem man aus der Champions League ausgeschieden ist.“ Allerdings war auch Bayer Leverkusen während der Woche im Uefa-Pokal ausgeschieden und hatte offenbar dasselbe Problem. Und so wurde es ein Spiel auf international kaum konkurrenzfähigem Niveau, in dem die Münchner insgesamt überlegen waren. Eine typische Szene war Lukas Podolskis Lattenschuss aus 20 Metern nach zehn Minuten: Der war nur möglich, weil der Ball von stochernden Beinen in der Leverkusener Abwehr wie ein Doppelpass zu ihm zurückgekommen war. Es war „eines der Spiele, bei denen man am Ende froh ist, dass die Punkte eingefahren wurden“, sagte Bayerns Manager Uli Hoeneß später.

Leverkusen spielte ohne die gesperrten Bernd Schneider und Stefan Kießling. „Schneider hat natürlich seine Klasse“, sagte Simon Rolfes danach. „Aber ich denke nicht, dass unser Spiel unruhig oder zu passiv war.“ Der zweite Satz aber muss sich auf die letzte halbe Stunde bezogen haben, als Leverkusen plötzlich zu Chancen kam. In der ersten Halbzeit hatte Tranquillo Barnetta nach einer Viertelstunde eine Möglichkeit, unterlag aber im Duell mit Oliver Kahn. Ansonsten wirkten die Leverkusener lange zerfahren.

Bayern nutzte das. Das insgesamt niedrige Tempo veranlasste Ottmar Hitzfeld immer wieder zu aufrüttelnden Gesten. Roque Santa Cruz, der für den verletzten Bastian Schweinsteiger auf der linken Seite vor Philipp Lahm spielte, war, von wenigen Aktionen abgesehen, ein Behäbigkeitsfaktor im Münchner Spiel. Nach einer halben Stunde aber reagierte Lahm schnell, als er Mark van Bommel durchstarten sah. Alleine vor Torwart René Adler verwandelte der Niederländer zur verdienten Führung. Nach zwei Minuten in der zweiten Hälfte schickte Hasan Salihamidzic dann Roy Makaay in die Spitze, der an Adler vorbei den Ball ins Tor legte. Nach der bis dahin weitgehend einfallslosen Vorstellung von Leverkusen sah das Spiel aus wie entschieden. Ohne Not ließen die Bayern danach aber den Gegner ins Spiel kommen, und der kam zu Ausgleichmöglichkeiten. „Wir haben schon gut gespielt“, sagte Simon Rolfes, „am Ende haben wir nur unsere Chancen nicht genutzt.“

Nächste Woche kommt der 1. FC Nürnberg nach Leverkusen, der Konkurrent um einen Uefa-Pokalplatz. Und die Bayern? Die müssen zum direkten Konkurrenten nach Stuttgart, die in der Tabelle zwei Punkte vor den Münchnern auf Platz drei liegen. Oliver Kahn gab sich optimistisch: „Wir beschäftigen uns nicht mit dem Uefa-Pokal. Wir konzentrieren uns auf die Plätze eins bis drei. Wir lauern und werden nochmal Vollgas geben. Es wird sich noch eine Menge tun.“

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