Sport : Langsam zurück

Nach einem Jahr Pause feiert Villeneuve sein Comeback in der Formel 1

Karin Sturm[Schanghai]

Jacques Villeneuve lächelte zufrieden. Ein Jahr hatte er pausiert. Das ist im Motorsport eine lange Zeit, und für die Formel 1, in der sich die Dinge schnell ändern können, gilt das erst recht. Als der Weltmeister von 1997 gestern vor dem Grand Prix von Schanghai (Sonntag, 8Uhr, live in RTL und Premiere) von seinem Comeback redete, war ihm trotz aller Vorfreude auf das Rennen doch ein wenig Nervosität anzumerken. „Ich muss mich wieder an alles herantasten. Ich muss hart arbeiten, die Grenzen ausloten, ich muss auch dazulernen“, sagte Villeneuve. „Schließlich kenne ich das Auto noch nicht so gut.“ Das sind ungewöhnliche Töne. Früher war der Kanadier selbstbewusster. Er gehörte zu den wenigen, die Michael Schumacher laut kritisierten. Viel Zeit zum Eingewöhnen bleibt Villeneuve allerdings nicht: Sein Engagement bei Renault – wo er den entlassenen Jarno Trulli ersetzt – ist nach nur drei Rennen beendet.

Ab 2005 wird Michael Schumachers Rivale von einst für das Schweizer Team Sauber an den Start gehen. Mit Schumacher wolle er in Zukunft nicht mehr so heftig neben der Strecke streiten wie früher, sagt Villeneuve. „Das ist Vergangenheit, man muss nach vorne blicken.“ Am ersten Trainingstag kam er an seinen Teamkollegen, den Spanier Fernando Alonso, auf drei Zehntelsekunden heran. „Das ist wohl okay, es ist immer gut, nahe am Teamkollegen zu sein – aber so wirklich ernsthaft ging es heute ja noch nicht um die Zeiten.“ Der Kanadier gibt sich – trotz seiner Nervosität – lockerer als früher. Die Pause hat es anscheinend möglich gemacht. „Es war gut, mehr Zeit für mich zu haben und das Leben genießen zu können“, sagt er. Das Leben als Rennfahrer sei nun einmal sehr anstrengend. „Seit ich 17 Jahre alt war, hatte ich eigentlich pausenlos immer nur Stress und kaum eine Pause. Und das letzte Jahr beim Team BAR, in der Saison 2003, war doch sehr anstrengend und nervenaufreibend, weil es doch ständig Reibereien und Streit gab.“ Bei Sauber erhofft sich Villeneuve eine friedliche Arbeitsatmosphäre. Motivationsprobleme befürchtet er nicht, obwohl ihm klar ist, dass er mit einem Sauber kaum um Siege fahren kann. „Ich bin fünf Jahre bei BAR ohne Siegchancen gefahren. Wichtig ist, dass die Umgebung stimmt.“

Auch Ralf Schumacher kommt in Schanghai zu seinem Comeback, nach dreimonatiger Verletzungspause. Der Deutsche sieht sich für die letzten drei Rennen des Jahres 2004 vor allem noch als BMW-Williams-Pilot, sagt er. „Zumindest zu 99,9 Prozent.“ Auch wenn es natürlich immer wieder Kontakte zu seinem neuen Team, Toyota, gibt: „Aber ich versuche, mich da zurückzuhalten“, sagt Ralf Schumacher. „Anders wäre das ja auch nicht in Ordnung.“ Schumacher wirkt weniger angespannt als Villeneuve. Der Unfall von Indianapolis spiele keine Rolle mehr für ihn, sagt er. „Dadurch, dass ich mich an nichts erinnern kann, sehe ich Bilder davon wie ein Zuschauer. Ich hatte nicht eine Sekunde daran gezweifelt, dass ich weiterfahre. Im Gegenteil – ich habe jetzt gemerkt, was mir fehlt, wenn ich nicht fahre.“

Siehe auch Reportage auf Seite 3

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