Sport : Langsamer Untergang

Bundestrainer Brand regt sich über Handball auf

Erik Eggers

Kielce - Seit fast zehn Jahren ist Heiner Brand bereits Bundestrainer. In dieser Zeit hat der 54 Jahre alte Gummersbacher, der einst zu den besten Spielern der Welt zählte, den Wandel des internationalen Handballs vom Amateur- zum Profisport kritisch begleitet. Dabei gilt er als jemand, der die Probleme der Kommerzialisierung pragmatisch angeht. Aber in den vergangenen Wochen scheint Brand dann doch den Glauben an eine gute Zukunft seiner Sportart verloren zu haben. Der Stoiker hat jedenfalls einen fast heiligen Zorn entwickelt. „Manchmal denke ich, der Handball neigt dazu, sich selbst zu zerstören“, sagte er am Rande der beiden Testspiele der deutschen Nationalmannschaft in Kielce (Polen). „Jeder sieht nur seine Sache, so geht der Handball den Bach runter.“

Die Generalkritik betrifft alle Parteien des Handballs, die Brandrede provoziert aber haben insbesondere die Dachverbände, die jüngst eine weitere Aufblähung des ohnehin schon extrem gedrängten Terminkalenders forciert haben. So sieht die Europäische Handball-Föderation (EHF) ab 2007/08 eine zweite Gruppenphase für die Champions League vor, was zwei weitere Spieltage, ab 2008/09 sogar vier weitere erfordert. Brand echauffiert sich darüber, dass bei der Reform ausschließlich kommerzielle Interessen den Ausschlag gäben. „Die zweite Gruppenphase ist beim besten Willen nicht nachvollziehbar, es geht ja nicht um Verteilungsrunden, sondern um Leistungssport“, sagt Brand und kritisiert den mangelnden sportlichen Wert des neuen Modus.

Auch die Entscheidung der Internationalen Handball-Föderation (IHF), ab 2008 unter eigener Regie WM-Qualifikationen sowie eine Klub-Weltliga zu veranstalten, weshalb sie von der EHF vor einem ordentlichen Gericht verklagt wird, verurteilt Brand scharf. Im Januar war zudem beschlossen worden, dass auch die Olympia-Qualifikation als eigener Wettbewerb ausgetragen wird – jeweils im Juni davor. Der Bundestrainer hatte noch im Januar eine Weltliga für die besten acht Nationalmannschaften als Alternative zu den derzeit ausgetragenen Freundschaftsturnieren wie dem World Cup oder Supercup vorgeschlagen. „Damit hätte man die Attraktivität auch für die TV-Sender erhöht“, sagt Brand. Dadurch, dass nun den Nationaltrainern kaum noch Tests zur Verfügung stünden, seien „am Ende die Nationalmannschaften die Leidtragenden“. Das langsame Siechtum des Aushängeschildes des deutschen Handballs, wie es der Bundestrainer prophezeit, werde letztlich auch zu Lasten der Klubs gehen.

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